Der gute Mann sah mich ungläubig lächelnd an, er meinte wohl, ich wolle einen Scherz machen. Aber dann klärte ich ihn auf:

»Können Sie sich eine Großstadt, oder meinetwegen auch ein ganzes Reich, ohne Sanitätspolizei denken?«

»N–ein, – nein, eigentlich nicht –«

»So, na sehen Sie, und da wollen Sie klüger sein als die Natur, welche das Haarraubwild und die gefiederten Räuber einzig und allein aus dem Grunde erschaffen hat, um die Ausbreitung von Seuchen, die Fortpflanzung kranker und schwächlicher Stücke zu verhindern?! Denn jeder Fuchs, Marder und Iltis wittert es, ob ein Stück Wild krank oder gesund ist, jeder Wanderfalke, Hühnerhabicht, Rauhfußbussard und Milan schlägt das schwächste, zur Nachzucht ungeeignetste Stück, weil er es am leichtesten erbeuten kann!«

Mein Bekannter war recht nachdenklich geworden, und als ich ihn nach drei Jahren wieder besuchte – ei siehe da! – die Strecken hatten sich um fünfzig Prozent gehoben und Raubwild gab es gerade so viel, daß die gesunden und kräftigen Stücke von der »freiwilligen Sanitätspolizei« verschont blieben! –

Bitte, meine Herren, fragen Sie mal jeden alten, erfahrenen Praktiker! Er wird Ihnen – ich wette tausend zu eins! – sagen: »Ein Revier, namentlich ein Niederwildrevier ohne Raubwild muß herunterkommen, ist einfach ein Unding!« Eine Ausnahme gibt es: die Fasanerie! Da freilich soll es heißen: Krieg allen Räubern! Und mit allen weidgerechten Mitteln: Pulver und Blei, Knüppelfallen und Kastenfallen, Krähenhütte und Hasenquäke, aber nicht mit dem aasjägerischen, hundsgemeinen Gift und diesen furchtbaren, tierquälerischen Marterwerkzeugen, den Eisen, in denen sich so ein armes Gottesgeschöpf eine lange, endlos lange Winternacht in stummen Schmerzen, in Todesangst quält und windet!

Zwei Arten Raubwild verdienen keine Schonung: wildernde Hunde und verwilderte Katzen. Die schieße ich ab wo und wann ich ihrer habhaft werde.

Aber es gibt mir einen Stich, wenn ich lese, daß Herr X. das »Weidmannsheil« hatte, einen Adler zu erbeuten. Ja, meine Herren, muß denn alles »verruiniert« werden?! Muß das wirklich sein?! Ich meine, wir, unser heutiges Geschlecht, unsere »moderne« Zeit, sind so bettelarm an ethischen Werten, an Dingen, die sich nicht mit schmutzigen Markscheinen kaufen lassen! Soll uns denn die Freude an der Natur, die Liebe zum Mitgeschöpf auch noch genommen werden?!

Wie meinten Sie, Verehrtester? Ein Marderbalg kostet jetzt fünfzehnhundert Mark? Sehr richtig, und ein Hirsch ist ein brauner Lappen! Aber, lieber Herr Neureich, Sie haben doch Kinder – Enkel sogar? Na also, sehen Sie mal, sollen die vielleicht statt Füchse Ratten, statt Falken Sperlinge schießen?! Dann sind sie nicht Jäger, sondern »Kammerjäger«.

»Jeder ist sich selbst der Nächste!«