»Das wird ein Heim für uns. Wir bauen es uns wohnlich aus!«

Der Besitzer, Herr Fabrikbesitzer Paul Pilz in Niederschmiedeberg, zeigte sich uns außerordentlich entgegenkommend, und bald war der Vertrag abgeschlossen. Wir hatten ein Heim, das wir wieder unser nennen konnten. Und für den Jungen bedeutet es eine große stolze Freude, wenn er sagen kann, dies Haus ist unser. Er ist mit seinem Heimatboden näher nun verbunden.

Aber eine gewaltige Arbeit stand uns nun bevor: das Häusel ausbauen. Kosten sollte, durfte und konnte es nicht viel. Arbeitslohn brauchten wir keinen, da wir selbst die Arbeiter stellten. Herr Pilz überließ uns viel Material für den Ausbau in der freundlichsten und freigebigsten Weise, so daß wir hier in ihm eine mächtige Stütze fanden. Sein Betriebsleiter, Herr Leichsenring, ging uns mit Rat und Tat zur Seite.

So war es eine Lust zu schaffen. Und mancher, der vorüberging, hat sich gewundert, wie eine Handvoll Annaberger Jungens und Studenten »mitten im kalten Winter« schwer gearbeitet haben und dabei so lustig waren.

Eins stand uns beim Ausbau von vornherein fest: das Häusel bleibt in seiner Eigenart voll gewahrt.

An einem frühen Sonntagmorgen vor den Osterferien rückte eine Schar Jungen mit Handwagen, Hacken, Schaufeln, Eimern, Besen, Kellen, Hammer, Beilen und einem Handofen von Annaberg weg nach dem neuen Heim in Schmalzgrube.

Kräftig ging der Angriff los. Das Wetter war prächtig, die Sonne lachte dazu, und bald stand das ganze Häusel im Nebel, so kehrten und fegten alle dienstbaren Geister darin herum und brachten den Dreck und Staub hinaus aus dem Haus. Nur die Hose auf dem Leib, so schranzte alles, daß es »nur so roochte«. Die zerfressenen Bretterdielen wurden auch gleich herausgenommen, es waren nur noch kleine Stücke, »Fragmente«. An diesem Tage war das Häusel sauber gekehrt, dahinter aber im Steinbruch hatte sich ein ganz beträchtlicher Schutt- und Kehrichthaufen gebildet. Schwarzgrau und verrußt sahen die aus, die aus dem Häusel herauskamen. Im nahen Bache wurde sich gründlich gewaschen, um am späten Nachmittage den Heimmarsch anzutreten. Nicht schlecht guckte unser lieber Leichsenring über die Arbeit, die in den paar Sonntagsstunden geschafft worden war. Ja, das war für die Buben ein ander Zugreifen und Schaffen, als auf der Schulbank zu sitzen.

Die Osterferien kamen. Mit ihnen neuer unerwarteter Schnee und neue Kälte, dann wieder Tauwetter, kalter Wind und wieder Schnee. Das alles in recht bunter Abwechslung.

Das hielt uns nun nicht ab, den Bau mit Wucht weiterzuführen. Ein Sachkundiger hatte uns einen Bauplan entworfen. Im übrigen half uns Vater Leichsenring, wo er nur konnte. Und Mutter Leichsenring hatte nichts weniger zu tun, als zweimal am Tage für durchschnittlich fünfzehn Mann – alles starke Esser und keine Kostverächter – warmes Essen zu kochen. Wir kochten diesmal nicht selbst, damit wir hiermit keine Zeit verloren. Unser Nachtquartier hatten wir in einem leerstehenden Zimmer des Nachbarhauses bezogen.

Sofort begann die Arbeitsteilung. Die eine Hälfte der Mannschaft arbeitete im Heim, die andere ging »auf Transport«.