Uns war die Arbeit nicht leicht gemacht durch das böse Wetter. Verdrießen aber konnte uns das nicht.

In der unteren vorderen Stube arbeiteten immer drei bis vier Mann, hackten den schwarzen Boden, der steinfest gefroren war mühsam, oft nur splitterweise los. 25 Zentimeter tiefer wollten wir den Fußboden legen in einer Fläche von 27 Quadratmetern, weil wir ihn betonieren und darauf die Diele legen wollten. Acht Tage haben wir gebraucht, um den förmlich zu Stein gefrorenen Boden herauszuhacken. Die Hände wurden dabei steif und rissig. Die Hacke prellte ganz ekelhaft in den Händen. Dabei kam beim Tieferlegen des Bodens das Grundwasser hervor, so daß von Zeit zu Zeit ein Mann schöpfen mußte, was in der Kälte auch nicht gerade ein Vergnügen war. Außerdem pfiff der Wind durch die öden Fensterhöhlen.

In der Hausflur und in der hinteren unteren Stube wurden Stützbalken eingezogen. Im Obergeschoß rissen wir die Dielen heraus, um den noch versteckt liegenden Unrat herauszuschaffen. Manch altes Schloß und anderes verrostetes Eisenwerk fanden wir, so daß wir bald eine »Raritätensammlung« anlegen wollten. Zwei wohlerhaltene Kinderkutschen waren auch vorhanden. Wir benutzten den Oberteil davon zum Sand holen. Der Sand wurde aus dem nahen Teiche von zwei Mann herausgeschaufelt, in die Kinderkutschen geworfen und dann auf einem Schlitten von zwei Mann über die abschüssige Wiese ans Haus herangefahren und dort ausgeschüttet, wo ihn ein Mann durchs Sieb warf. Das Obergeschoß blieb im übrigen unberührt, nur die gröbsten Löcher im Schindeldach wurden mit Holzbrettern ausgebessert.

Die andere Abteilung, die ungefähr sieben Mann stark »auf Transport« rückte, hatte es nicht leichter. Da gab es Bretter, Balken, Schwarten, Lehm und anderes mehr heranzuschaffen. Früh um sechs Uhr wurde zu Herrn Pilz nach dem zweieinhalb Stunden entfernten Niederschmiedeberg mit einem Tafelwagen gefahren. Im oberen Preßnitztal lag Schnee, im unteren war er weggeschmolzen. Mit leeren Wagen abwärts zu Tale ließ sich gut fahren. Ganz anders aber wieder zurück: vierzig große schwere Bretter hatten wir aufgeladen. Wir mußten tüchtig schieben und zerren, um den Wagen durch den aufgeweichten Schmutz der Straße vorwärtszubringen. Toll aber wurde die Sache, als wir wieder in die Region des Schnees kamen. Da brach natürlich der schwer beladene Wagen erst recht ein. Wir griffen in die Speichen, um ihn vorwärtszubringen. Nur stückweise. Wir schwitzten. Die Zeit verging rasend schnell. Ich schickte einen Läufer nach dem eine Stunde entfernten Heim, daß die Leute aus dem Heim uns mit Schlitten entgegenkämen. Indessen versuchten wir mit unserer Last weiterzukommen. – Ein Geschirr auf der einsamen Straße! – Ob wir anhängen dürften? – Ja, wenn wir mitschöben! – Natürlich! – Mit drei Seilen banden wir fest. Gleich beim ersten Anzug des Pferdes rissen alle drei Seile mitten durch. Also das nächste Mal vorsichtiger anfahren! Es ging. Noch drei-viermal rissen uns die Seile. Der Kutscher hatte eine bewundernswerte Geduld mit uns. Aber wir kamen doch vorwärts. Bis das Gefährt nach Grumbach die neue Straße abbog. Nun wieder allein. Nach einer Stunde kommt die Ablösung mit zwei Schlitten. Umgeladen. Mit nur wenig Brettern auf dem Wagen fährt die alte Transportmannschaft ins Heim, während die Ablösung mit dem Schlitten nachkommt. Es ist bereits fünf Uhr nachmittag. Wir haben seit diesen Morgen noch nichts als eine Schnitte Brot gegessen. Wir sind im Heim, als ein Bote ankommt: der eine Schlitten sei zerbrochen. Also alles noch einmal raus! Teils auf dem anderen Schlitten, teils auf den Schultern bringen wir das letzte, immerhin noch große Stück die Bretter ins Heim. Wir waren froh, diese Tagesarbeit hinter uns zu haben.

Nicht besser war es anderntags mit der Lehmfuhre. Die war noch ein bissel schwieriger. In dem Moor, in dem Walde bei Grumbach gruben wir den Lehm, den wir zum Ofensetzen und Ausbessern der Holzverkleidung im Obergeschoß verwenden wollten. Den Waldweg bis zur Grumbacher Straße mußten wir erst ausschaufeln, so gut es ging. Und trotzdem wären wir kaum noch durchgekommen, wenn uns nicht der Förster zu Hilfe kam, Eisenketten mitbrachte und sich selbst gleich mit ins Zeug legte. Sein Dackel lugte nicht schlecht. Unter lautem »Hühott« zerrten wir die schwere Lehmfuhre durch den schneeigen Waldweg auf die offene Landstraße. Dort konnten wir fahren bis durch Grumbach durch. Aber am Ausgang des Dorfes lag wieder eine gewaltige Schneewehe, die wir nicht überwinden konnten. Wir holten uns kurz entschlossen einen Ochsen vom Bauern, spannten ihn vor den Wagen. Und nun vorwärts. Der Bauer hieb auf den Ochsen ein und wir brüllten und schrien und schoben mit, bis die kleine Anhöhe und die Schneestelle unter beängstigendem Gestöhne des Wagens überwunden war. Seit jenem Tage sind wir mit dem Bauer gut Freund. – Dann konnten wir die Straße wieder allein fahren; Schnee lag da keiner mehr.

So galt es noch manchen Transport zu vollbringen. Und die Transportabteilung wurde darum nicht beneidet.

Die Arbeit ging rüstig vorwärts. Der Boden der Stube war fünfundzwanzig Zentimeter tief herausgeholt. In der Mitte hatten wir ein Wasserloch gegraben, quer durch den Fußboden eine Schleuse und die Fensterwand an einer Stelle durchstoßen, um Abfluß zu schaffen. Außen am Hause bauten wir einen unterirdischen Flußlauf.

Nun das Betonieren. Der Wassergraben im Fußboden wurde mit Steinen ausgesetzt und überdeckt, dann legten wir eine Packlagerschicht von Ziegelbrocken, die wir aus dem Herrenhaus herüber gehandlangert hatten, wobei es manchen Riß in der Haut gab. In diese Schicht bauten wir sieben Querbalken und zwei Längsbalken ein für die Dielung, nahmen sie sorgfältig in die Wage, was gar nicht so einfach war, als wir es uns vorgestellt hatten. Aus dem Herrenhaus schleppten wir nun die Säcke Zement herüber, mischten den Zement mit Sand. Ein alter Schachtmeister half uns dabei redlich mit. Es war das sein Palmsonntagsvergnügen, wie er uns sagte. Solche Leute gibt es doch heute selten. Bis abends neun Uhr betonierten wir. Da galt es tüchtig und sachkundig Zement mischen, die Mischung in die Stube zu schleppen und Wasser zum Gießen herbeitragen. Eine Zementschicht von fünf Zentimeter Dicke entstand. Die Balken ragten noch drei Zentimeter heraus, damit das Dielenholz nicht auf den Beton zu liegen kommt, sondern Luftzug möglich ist. In der rechten Stubenecke gossen wir einen zehn Zentimeter hohen, zwei Meter dreißig Zentimeter langen und ein Meter zehn Zentimeter tiefen Sockel für den Ofen mit Herd. Mit einem gelernten Ofensetzer zusammen setzten wir den Ziegelofen auf. Einen eisernen Ofen setzten wir nicht hinein, da die Größe des Zimmers und die geschwungenen Fensterbögen einen mächtigen Ofen mit Herd forderten. Für den Herd bestellten wir eine Platte von ganz gewichtiger Größe, die uns zweitausendzweihundert Mark kostete, eine ganz erkleckliche Summe für unsern Geldbeutel. Aber dafür haben wir ein stilgerechtes Zimmer, in dem wir, wenn es nun ganz fertig ist, uns wohlfühlen können.

Unterdessen zimmert ein Junge mit einem gelernten Zimmermann, den wir für einen Tag zur Verfügung gestellt bekommen haben, für die Fenster die Mauerrahmen. Am ersten Tage wurden zwei Stück fertig, der dritte angefangen, die nächsten zimmert der Junge kunstgerecht allein mit Winkelmaß und allem Werkzeug. Zwei Mann mauern die Rahmen ein. Auch hier muß mit der Wasserwage gearbeitet werden. Dann werden die Fensterläden gebaut mit drei Querleisten in der Z-Form und Angeln und Sturmhaken. Auch hier lernen wir, daß der untere Winkel der Querstreifen seinen Scheitelpunkt in der unteren Angel haben muß, damit sich der Fensterladen nicht senkt. Alles will bedacht sein. Und weißt du, wieviel Nägel man zu einem solchen Fensterladen von ungefähr einem Quadratmeter Größe braucht? oder zu einem Quadratmeter Diele?

Auf die Dielenbalken legten wir vorläufig Bohlen und Bretter und besserten die Wände aus, putzten und verkalkten sie. Diese Arbeit war gar nicht so einfach. Besonders schwierig waren die Fensterbogen, die arg in Verfall geraten waren, auszubessern. Aber zwei von uns, die im sonstigen Beruf sich stud. iur. und stud. med. vet. nennen, hatten den Schwung, den Mörtel anzusetzen und zu verreiben, besonders gut weg. Und nun ging es ans Weißen. Nachdem der Zement abgebunden hatte und trocken war, wurden die gespundeten und feingehobelten Dielenbretter genagelt. Sie zu schonen und vor allem vor dem Kalk zu bewahren, streuten wir Sägespäne.