[1] Beck, Geol. Führer: Elbtallandschaft.
Der Vielfraß in Sachsen
Von Rudolf Zimmermann
Es dürfte meines Erachtens nicht zu empfehlen sein, als Beweis für den früher vorhandenen Wildreichtum des Erzgebirges – vergleiche Klengel, Jagdschloß Rehefeld, Mitteilungen Sächsischer Heimatschutz, Band XI, 1922, Seite 254 bis 257 – die Erlegung auch des Vielfraßes bei Frauenstein anzuführen. Denn hierbei handelt es sich lediglich nur um die einmalige Erbeutung eines versprengten, in Deutschland gar nicht heimischen und in historischer Zeit auch nicht heimisch gewesenen Tieres. Bereits Blasius, der noch ein zweites deutsches Vorkommen anführt und nur diese beiden Vorkommen kennt, betont dies in seinen »Säugetieren Deutschlands« (Braunschweig 1857, Seite 211). »Einige Male hat man ihn (den Vielfraß) in Deutschland angetroffen: bei Frauenstein in Sachsen nach Bechstein und bei Helmstedt im Braunschweigischen nach Zimmermann. Das Skelett dieses letzteren, am weitesten nach Westen vorgedrungenen Tieres, habe ich noch im Museum in Braunschweig gesehen. Dieses vereinzelte Vorkommen ist sicher als das versprengter Flüchtlinge anzusehen. Es ist kein Grund vorhanden, daß der Vielfraß bis so weit nach Deutschland hinein je einheimisch gewesen wäre.«
Über die Erbeutung unsres sächsischen Tieres berichtet zunächst Bahn in seinem »Amt, Schloß und Städtgen Frauenstein« (Friedrichstadt bei Dresden, 1748, Seite 10) das folgende: »Den 2. April [1715] erschoß der Förster zu Hennersdorff, Herr Kanngießer, auf dem Töpffer-Wald, bei dem Königs-Brunnen, ein unbekanntes Raub-Thier. Als es nach Hofe geschicket wurde, so wurde es erkannt, daß es ein Vielfraß wäre, dergleichen in Moscau und Persien anzutreffen sind.« Über die Einlieferung in Dresden findet sich bereits vordem in den »Dresdnischen Merkwürdigkeiten« (1750, Seite 60) eine kurze Notiz: »Den 4ten hujus [April] ward ein Vielfraß, so von einem Jäger bey Frauenstein geschossen worden, eingebracht, und auf die Kunstkammer geliefert«. Das Tier wird dann wieder in Hasches »Umständlicher Beschreibung Dresdens« (Dresden 1781/83) als im Kurfürstlichen Naturalien-Cabinett stehend erwähnt: »Zwey Vielfraße, einer weißrötlich, bey Frauenstein gefangen, der andre schwarzbräunlich aus Sibirien.« Robert Berge, der dann später das Vorkommen erwähnt – Wissenschaftliche Beilage Leipziger Zeitung 1899, Nr. 61, Seite 241 bis 244 und Zoologischer Garten, Band 41, 1900, Seite 129 bis 135 – und sich dabei auf die Bahnsche Angabe stützt, in der der Erlegung des Tieres zweimal (Seite 10 und 149) gedacht und das eine Mal dabei seine Erbeutung infolge eines offenbaren Druckfehlers auf das Jahr 1718 verlegt worden ist (»und sonderlich 1718 ein ungewöhnliches Raub-Thier, ein Vielfraß gefangen und eingeliefert worden«), spricht dementsprechend, aber natürlich irrtümlicherweise, von einem zweimaligen Vorkommen des Tieres.
Ich hielt diese kurzen Darstellungen für notwendig, um zu vermeiden, daß aus der Klengelschen Notiz etwaige falsche Schlüsse auf den früheren Tierbestand Sachsens gezogen werden könnten. Einmal eingebürgerte unrichtige Vorstellungen aber sind ja dann auch immer schwer wieder zu beseitigen. Wie spuken zum Beispiel heute nicht die auf keinerlei sichere Unterlagen sich stützende Angaben von Heinrich Meschwitz in seiner sonst so schönen »Geschichte der Dresdner Heide« umher, der diese in der Vergangenheit unter anderen von Biber, Storch, Reiher, Kranich, Trappen usw. bevölkert gewesen sein läßt, also von Tieren, von denen zum mindesten für einen Teil das Vorkommen in der Heide völlig ausgeschlossen ist (Biber, Trappe! usw.).
Der Wanderfalke in Sachsen
Von Rud. Zimmermann
Mit Abbildungen nach Aufnahmen des Verfassers
Sachsens stattlichster Nachtraubvogel, der königliche Uhu, wie Altmeister Naumann ihn nennt, gehört unserm Vaterlande seit nunmehr fast fünfzehn Jahren als Brutvogel nicht mehr an, – er ist ein Opfer der erlittenen scharfen Nachstellungen und blindester Jagdleidenschaft geworden; der letzte in der Sächsischen Schweiz auf Postelwitzer Revier horstende Vogel unsrer Art wurde, wie Richard Heyder in seiner »Ornis Saxonica« mitteilt, 1910 von einem Bergsteiger mit dem Revolver totgeknallt!! Die Sächsische Schweiz und das Zittauer Gebirge gewährten dem Vogel die letzten Wohn- und Horstplätze im Sachsenlande; im Zittauer Gebirge war er nachweisbarer Brutvogel etwa bis um das Jahr 1906 und in der Sächsischen Schweiz nur ereilte ihn, wie wir schon gehört haben, das Schicksal etwas später. Sein Verschwinden ging, nachdem er einmal spärlich geworden war, allerdings ziemlich rasch vor sich; um 1892 etwa horstete er auf Rosenthaler Revier linksseitig der Elbe das letzte Mal, um 1904 verschwand er rechtsseitig auf Mittelndorfer und 1906 auf Hohnsteiner Revier, bis dann wenige Jahre später der letzte brütende Uhu in der obengeschilderten Weise auf Postelwitzer Revier endete.