Ich glaube, wir kommen nicht um die Notwendigkeit herum, dem was Schmaler sagt, zuzustimmen. Es ist auch bei den Verfechtern dieses Namens kein Zweifel darüber, daß es wenige Gebirge gibt, die in Gesteinsaufbau und Oberflächenform weniger Ähnlichkeit mit den Schweizer Alpen haben, als die Sächsische Schweiz. Die Kardinalfrage bei der ganzen Erörterung ist deshalb: Wollten diejenigen, die zuerst diesen Namen brauchten, und wollen alle die, die ihn heute in Schrift und Wort anwenden, überhaupt einen Vergleich zwischen den Alpen und unserm »Salongebirge«, wie es Ruge scherzhaft, wenn auch nicht für alle Teile zutreffend genannt hat, ziehen? Diese Frage aber muß unbedingt verneint werden. Wer heute Sonntags »in die Schweiz fährt«, um zu wandern oder zu klettern, um zu botanisieren oder Leitfossilien zu sammeln, um die Spuren alter Raubnester zu suchen oder sich im Schatten der Kiefern im Angesicht einer erhabenen Landschaft philosophischen Spekulationen oder dichterischen Träumen hinzugeben, denkt nicht im entferntesten an das für die meisten nicht erst seit dem Kriege unerreichbare Gebiet der Berner oder Walliser Alpen, und wäre er gleich am Vorabend erst im Tell oder einer Filmvorführung gewesen, die ihm die ganze Herrlichkeit dieser Landschaften vor Auge und Seele stellte. Ebensowenig wie sich der Schüler, der morgens ins Gymnasium geht, des Gegensatzes bewußt ist, der zwischen der Anstalt, die also bezeichnet wird und ihrem Vorbild besteht, denkt der Schweizfahrer an das Land, das – man ist versucht zu sagen »zufällig« – denselben Namen trägt wie sein geliebtes Felsengebirge. Es verbinden sich einfach mit dem Wortklang nicht nur für den Dresdner, sondern für jeden, der die besondere Schönheit dieses Gebirges genossen hat, so starke Gefühlswerte, daß er den Namen ebensowenig missen möchte, wie den der Frauenkirche, des Zwingers oder der im Volksmund auch in der Zeit des albernsten Byzantinismus nie ausgestorbenen Augustusbrücke. Als mir neulich eine Kollegin erzählte, sie sei am Sonntag im Elbsandsteingebirge gewesen, lief mir ein kalter Schauer den Rücken hinunter, und mit dem Sächsischen Felsengebirge geht es mir nicht viel besser. Am wärmsten klingt noch Meißner Hochland, aber auch nur dem, der unter der Schwelle des Bewußtseins die ganze sächsische Geschichte liegen hat. Die weiteren Folgen einer Namensänderung will ich hier nicht ausmalen. Nur die bescheidene Frage: Wem wäre es nicht komisch zu Mute, wenn er von Ostern ab statt mit dem Schweizzuge mit dem Felsengebirgs- oder Elbgebirgszuge nach Schöna fahren und anschließend eine Meißner Hochlandstour unternehmen sollte?

Und wer doch beim Klange des Wortes Schweiz es nicht lassen kann, nach den Gletschern des Engadin und den Firnspitzen von Zermatt einen ängstlichen Blick zu werfen, den werden vielleicht die folgenden Worte beruhigen, die ich in einem Wegweiser durch die Gegend um Dresden im Jahre 1804, als man sich auch schon einmal nach neuen Namen den Kopf zerbrach, fand, und mit denen ich meine Verteidigung der »Sächsischen Schweiz«, deren ragende Steine schon mein Söhnlein vom Landgraben aus mit dem Jubelruf grüßt: »Water, die Weiz! die Weiz!!«, schließen: »Doch das Gebirge heiße, wie es wolle, es ist unendlich malerisch. Alle Kontraste des Großen und Gefälligen, des Wunderbaren und Schönen, des Kühnen und Leichten, des Grausenden und Sanften sind mit romantischer Mannigfaltigkeit an den triumphierenden Lauf des Elbstroms gefesselt, und Schweizer, die hier weder ein Haslital noch die Spitzen der Jungfrau und des Finsteraarhorns fanden, die hier keinen Kuhreigen hörten und keinem Gemsenjäger begegneten, wurden dem allen ungeachtet von dem wunderbaren Charakter der Landschaft ergriffen und mit magischer Gewalt in die ferne Welt ihrer geliebten Heimat versetzt.«

Bücherbesprechung

»Das Deutsche Haus« von Paul Ehmig, 3. Band – 5. und 6. Buch – ist soeben bei Ernst Wasmuth, Berlin, erschienen. Somit ist in glücklichster Weise dieses großzügig angelegte Werk zum Abschluß gebracht worden. Die künstlerischen Bedingungen des deutschen Hauses, Anlage, Aufbau, Hauskörper, Innenraum und Garten werden in tiefgründiger Weise vom Standpunkte des schaffenden Künstlers behandelt. Der dritte Band ist ebenso wie seine Vorgänger hervorragend ausgestattet und mit 131 wertvollen Abbildungen illustriert. Wir empfehlen allen Baulustigen wie Freunden der nationalen künstlerischen Kultur das Buch aufs wärmste, aber auch den Jüngern der Baukunst. Ist es doch frei von der in technischen Gebieten allzu üblichen schematischen Behandlung der Aufgaben, betont es doch immer wieder die Notwendigkeit, die Erfahrungen der Alten zu benützen und die Bedürfnisse aus ihnen zu entwickeln. Alles in allem eine bedeutsame Weiterentwicklung der in den letzten Jahren erschienenen Veröffentlichungen ähnlichen Charakters –, auf die vom Deutschen Bund Heimatschutz herausgegebenen Grundlagen für das Bauen in Stadt und Land von Steinmetz, Berlin, und die sechs Bücher vom Bauen Ostendorfs sei hierbei hingewiesen. –

Daß dem Siedelungsproblem, Reihenhaus und Bebauungsplan umfangreiche Teile des Buches gewidmet sind, mag hervorgehoben werden, aber auch, daß die künstlerische Gestaltung des Hausinneren in Verbindung mit den Gartenräumen unter Beibringung schönen Abbildungsmaterials mit besonderer Liebe behandelt ist.

Paul Goldhardt

Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt – Druck: Lehmannsche Buchdruckerei
Klischees von Römmler & Jonas, sämtlich in Dresden

An unsre geschätzten Mitglieder!

Die immer weitere Zunahme unsrer Mitglieder, der Aufschwung unsrer Bewegung macht eine vollständige Umorganisation unsrer Mitglieder-Kartothek notwendig. Dabei werden nach Möglichkeit alle die Wünsche berücksichtigt, die uns seitens unsrer Mitglieder zur Geschäftsvereinfachung und zur Erzielung von Ersparnissen mitgeteilt wurden.

Der jetzige Versand unsrer Mitteilungen erfolgt noch auf Grund unsrer alten Kartothek, und da die Briefumschläge seit Wochen geschrieben sind, ist in vielen Fällen die neue Anschrift, die uns in den letzten Monaten mitgeteilt wurde, noch nicht berücksichtigt worden.