Herbstzeit! Monatelang ist das Wasser gestaut worden. Jetzt gilts! Der Zapfen wird gezogen.

Aus dem Munde des Teiches drängt eine Wassermenge mit ungeheurer Wucht hervor, stößt auf getürmte Holzhaufen und schießt in haushoher Wassersäule empor.

Wie ein wildjauchzender Aufschrei langgebannter Freiheit, die mit ungestümer Macht den Weg zum Lichte gefunden, springt das Wasser empor, zerstäubt und bricht weißschäumend wieder zusammen.

Abb. 3 Erlbach i. Vogtl. Tannenmühle (Phot. Franz Landgraf, Zwickau i. Sa.)

Die gewaltsam nachdrängenden Massen tosen, gurgeln, umtoben die Holzscheite und suchen sich Bahn. In wenigen Minuten gleicht das kleine Rinnsal einem wildreißenden Strome.

Der Holzstoß gerät in Bewegung. Von Minute zu Minute löst sich Scheit um Scheit, und die Flößer weisen mit ihren Floßhaken den Hölzern die rechte Bahn ...

Ein Büchsenschuß aus dem wildreichen Waldrevier reißt mich aus meinem Sinnen. Und ich wandre heimwärts in der Abendkühle. Das rauschende Wasser singt mir die Wandermelodie, und über die Wipfel gleitet sacht ein letztes purpurnes Leuchten.

Die Birkgutlinde

Von Kurt Nierich, Kötzschenbroda