Abb. 2 Junge Eisvögel (Phot. Paul Bernhardt, Dresden)

An einem schönen, sonnigen Maienmorgen ziehe ich voller Hoffnung hinaus ins Jagdgebiet. Die Kamera und den bewährten Lodenhut im Rucksack. Wird mir Weidmannsheil beschieden sein? Der befreundete Forstmann begleitet mich; auch er hat Sinn für diese unblutige Jagd. Am Brutplatz ist alles noch in schönster Ordnung. Die Jungen rufen nach Futter. Der Apparat wird schußfertig gemacht. Schnell bin ich mit der Kamera in der gegrabenen Höhle »verstaut«. Der Förster gibt sich die größte Mühe, mit Reisig alles gut zu verblenden. Das kennt er ja von der Birkhahnbalz. Bald verschwindet er und wünscht mir »Hals- und Beinbruch!«

Ich sitze in meinem Loch und warte der Dinge, die da kommen sollen, den Blick immer auf den Stein vor mir gerichtet. Zehn Minuten vergehen, zwanzig Minuten – noch meldet sich kein Eisvogel, wohl aber mein linkes Bein, das gern in eine andere Lage möchte. Ich tue ihm den Gefallen, doch da löst sich durch den Gegendruck eine Sandschicht an der Decke. Wenn auch mein Lodenhut den größten Teil abhält, so kann er doch nicht vermeiden, daß ziemlich viel Sand meinen Rücken herunterrieselt. Die Sache fängt an ungemütlich zu werden. Auch den jungen Eisvögeln scheint das längere Ausbleiben der Alten nicht zu behagen; ihr Gezirpe wird laut und deutlich. Ich stelle trotz meiner nicht gerade glücklichen Lage fest, daß einer mit sehr tiefer Stimme darunter ist. »Tit – tit«! Das war der Alte. Jetzt größte Ruhe. Ausgerechnet gerade da machen sich einige Mücken bemerkbar, die der Förster vergessen hat herauszujagen. Doch alle Mißhelligkeiten sind vergessen. Ganz dicht vor mir sitzt der in allen Farben schimmernde Eisvogel! Fast kann ich ihn greifen. Dieses wunderbare Saphirblau – die zinnoberroten Füße, der silberglänzende Fisch im Schnabel. Ich weiß nicht, ob mir der Leser dieses innere Erleben nachfühlen kann. Mutter Natur spricht wieder einmal unmittelbar zu mir. Ganz ergriffen sitze ich und staune und vergesse ganz den Zweck meines Hierseins. Die Kamera erinnert mich daran. Der Vogel sitzt noch fest, bewegt aber den Kopf hin und her. Ich schnalze mit der Zunge. Er horcht und spannt. Der Verschluß wird gelöst, und die Platte ist belichtet. Mit lautem Pfiff fliegt der Eisvogel ab. Ich verlasse rasch meine Marterhöhle und den Brutplatz, um die Vögel nicht länger zu stören. Am Himmel türmt sich ein Gewitter auf; schnell führt mich mein Rad der Großstadt zu. Voller Erwartung entwickle ich die Platte. Bald zeigt es sich: die Aufnahme ist gelungen! (Siehe Bild 1.)

Noch öfter war ich draußen, sah dem Treiben dieser prächtigen Vögel zu, überraschte die Kleinen beim Ausflug (Bild 2), besah mir ihre Kinderstube aufs genaueste und staunte nicht schlecht, als nach vierzehn Tagen die Alten sich anschickten, in der zweiten Nisthöhle wiederum fünf bis sechs jungen Eisvögeln das Leben zu geben. Im Juni rufen auch dort hungrige Kinder nach Nahrung. Ein »Brummer« ist aber nicht wieder unter ihnen.

Sollte es wirklich Menschen geben, die da sagen, der Eisvogel sei zu verfolgen, weil er der Fischerei schadet? Diesen Krämerseelen zur Beruhigung: Keine Schleie, keinen Karpfen, keine Forelle brachte mein Eisvogelpaar, immer waren es wertlose Fischchen. Dafür bürge ich. Gönnt ihm diese und beraubt nicht den Waldbach seines schönsten Schmuckes!

Eiszeitliche Gletscherschrammen beim Teufelsstein (Pließkowitz-Oberlausitz)

Von Dr. Hans Stübler, Bautzen

Schon früher einmal konnte ich die Leser der Mitteilungen des Sächsischen Heimatschutzes zu einem geologischen Naturdenkmal unsrer Lausitz in dieser Gegend führen, zu dem Quarzriff der Zschemelschka bei Doberschütz, die nun durch das Entgegenkommen der beiden Besitzer durch eine Tafel des Heimatschutzes als solches gekennzeichnet und geschützt ist. Ich wandre gern in dieses Gebiet hinaus mit seinen rundlichen Granitbuckeln, die aus der eiszeitlichen Schuttdecke dort herausgucken und meistens noch eine Waldhaube tragen, wie z. B. die bekannten Kreckwitzer Höhen, die auch in den Kämpfen vom Mai 1813 eine Rolle gespielt haben. Manche freilich sind ganz entblößt und der Steinbruchsbetrieb hat sie angenagt. So wird z. B. der »feinkörnige, aber durch große klumpige Mikroklineinsprenglinge porphyrische Schwarzglimmergranit von Doberschütz (Gtφ1)«, wahrscheinlich »ein kleiner stockförmiger Nachschub in der großen Lausitzer Granitmasse«[3] wegen seiner Härte dort gebrochen, ganz in der Nähe des »Lausitzer Pfahls«, von dem die Zschemelschka ein herausgewitterter riffartiger Rest ist.

Auch beim Teufelsstein, östlich davon gegen Preititz zu, sind in einem grobkörnigeren, porphyrischen Lausitzer Granit, (Gtπ) der von zahlreichen Nordwest-Südost streichenden Grünsteinbändern durchschwärmt ist, einige alte Brüche vorhanden. Wir aber gehen heute zuerst nach dem rechts der Verbindungsstraße Pließkowitz–Kleinbautzen gelegenen, auf dem Blatt Baruth–Neudorf der Geologischen Spezialkarte des Freistaates Sachsen mit »Bauers Berg« bezeichneten Rundhöcker des Gtφ1. Dort liegt ein Flankenbruch, an dessen östlichem Rande letzthin ein etwa neun Quadratmeter großes Stück zur Erweiterung des Bruches frisch abgedeckt worden ist. Die dünne Schuttkrume aus Lößlehm, vom Besenstrauch (Sarothamnus scoparius (L.) Wimm.) und zahlreichen Brombeerbüschen durchwuchert, ist zur Seite geworfen worden und darunter sind an den Kanten der Granitbänke sehr deutliche, fingertiefe Schrammen zu sehen, wie sie unsre Abbildung, von Herrn Studienrat Kaubisch in Bautzen trefflich aufgenommen, zeigt. Sie verlaufen hier, an der Nordseite des Granitbuckels, der Stoßseite der Eisströme der Diluvialzeit, gelegen, alle gleisig etwa Nord 15° Ost bis Süd 15° West. Das stimmt sehr gut mit der Richtung der vom verstorbenen Prof. Dr. Beyer, Dresden-Plauen, bei Demitz einst entdeckten Glazialschliffe überein, die mit Nord 18 bis 20° Ost bis Süd 18 bis 20° West bestimmt wurden, nur daß es sich hier nicht um blank geschliffene harte aplitische Adern im Granit, sondern um ziemlich tief von den im Eisstrom mitgeführten, harten nordischen Geschieben in den Granitit des Rundhöckers eingegrabene Schrammen handelt. Durch dieses am zweiten September 1923 auf einer Wanderung von mir aufgefundene Zeugnis des Eisschubs längst vergangener Tage ist die bucklige Landschaft zwischen Kreckwitz–Doberschütz–Pließkowitz–Preititz–Kleinbautzen als eine eiszeitliche Rundhöckerlandschaft von ausgeprägter Eigenart im Vorgelände unsrer Lausitzer Granitberge erwiesen. Sie kann sich mit der von Kamenz im Spittelforst und bei Jesau, die Beyer mit dem Anblick einer skandinavischen Schärenlandschaft verglich, mit der zwischen Jauer und Wendisch-Baselitz, zwischen Schmeckwitz und Krostwitz, bei Maltitz, Loga und Luppa durchaus messen; ja sie hat vor ihnen vieles voraus. Vor allem kann hier nun der Beweis der Bildung durch die darüber hingleitenden Eismassen dem Wandrer vor Augen geführt werden, solange nicht der Steinbruchsbetrieb oder die Wettereinflüsse, denen der bloßgelegte Teil nun ausgesetzt ist, das Schrammenfeld beseitigen.