Abb. 1 Der Teufelsstein bei Pließkowitz (Oberlausitz) Aufnahme von Berta Zillessen, Bautzen
Ein zweites aber ist die reizvolle Umgebung dieses geologischen Naturdenkmals. Wir wandern nun hinüber zum Teufelsstein. Mitten aus den im Mai-Juni schwefelgelbleuchtenden Besenstrauchbüschen ragt er wie ein riesiges Hünenbett auf. Sein Name deutet schon darauf hin, daß die sonderbare Felsbildung wohl schon in vorwendischer Zeit kultischen Zwecken gedient haben mag; denn als das Christentum seinen Einzug in diese Gegend hielt, verkehrte es die alten Götternamen der »Heidenzeit« hier wie anderswo regelmäßig mit folgerichtigem Abscheu in den des Teufels. Und erklettern wir die großen, gewaltigen Blöcke, so erkennen wir, daß hier auch gewaltsame Zerstörung das alte »Heidenmal« vernichten wollte. Die große Deckplatte ist mit Hebeln offenbar zur Seite gedrückt und gewaltsam zerbrochen worden, aber es ist nicht gelungen, die beiden ovalen, bestimmt künstlich hergestellten, etwa waschschüsselgroßen Becken im Granit ganz zu beseitigen, wie sie uns z. B. von den Deckplatten der Gräber aus der Steinzeit, den »Dösen« von Bohuslän in Westergötland, beschrieben werden. Vielleicht deuten auch einige eingemeißelte kleine Kreuze auf der Oberfläche darauf hin, daß hier einem alten »Heidenteufel« sein Heiligtum gründlich verekelt werden sollte, daß er dem neuen gewaltigen Christengott für immer weichen mußte.
Nord
Süd
Eiszeitliche Gletscherschrammen auf dem Granit (Gtφ1) eines Rundhöckers beim Teufelsstein (Pließkowitz, Oberlausitz)
Aufnahme von Studienrat Oskar Kaubisch, Bautzen
Das Volk erzählt sich freilich, daß der Teufel jene mächtigen Granitblöcke vom Czorneboh her, der im Süden herüberblaut und an dessen Flanken ja wirklich ein gewaltiges granitisches Blockmeer lagert, hierhin geschleudert habe. Er wollte, voller Wut über den Bau des freundlichen Kirchleins von Malschwitz, das von Norden mit seinem weißen Turm aus der seenreiche Aue der Spree herübergrüßt, das ihm unbequeme neue Heiligtum zertrümmern! Aber seine Kraft reichte nicht mehr aus, die Riesengeschosse blieben vor dem Ziele liegen – und bilden nun den Teufelsstein bei Pließkowitz.
Wir aber halten – ohne Furcht vor dem gehörnten Gottseibeiuns – dort oben friedliche Rundschau, steigen dann herab, gehen vorsichtig durch die Besenstrauchwildnis; denn Hunderte von wilden Kaninchen haben den Lößlehm hier durchwühlt und Fallöcher für unsern Fuß gebaut, wie an all den andern »Rundhöckern« ringsum. »Kröck, kröck« – warnt ein Fasan aus dem Brombeergeheck, als wir in südwestlicher Richtung, zum Teil auf Rainen, durch die Rundhöckerlandschaft mit ihren kleinen Wäldchen Bautzen wieder zustreben – und Rehe treten aus und äsen auf den Feldern.
Bei Doberschütz erreichen wir die Straße. Hinter den letzten Häusern zweigt ein Feldweg ab, der uns in eine Reihe von Kiesgruben führt. Dort ist der nordische Moränenschutt der Eisströme noch sehr gut erhalten und erschlossen, der jene Schrammen am Teufelsstein mitschaffen half. Außer ziemlich großen Brocken unsers Lausitzer Granites und der am Nordsaume des Granitmassivs noch heute restweise erhaltenen Kieselschiefer, Quarzite und Konglomerate des alten Deckgebirges stoßen wir auf große Blöcke rötlicher schwedischer Granite und Gneisgranite, Porphyre, Quarzite, vor allem aber auf Feuersteine, in denen oft Kieselschwämme und Seeigel (Cidaris) eingeschlossen sind.