Abb. 1 Schloß Merseburg

Auf Bild 2 sehen wir Zwickau, die alte Schwanenstadt mit dem Schwanenteich vor uns. Wundervoll hebt sich aus dem Gewirr der Häuser die alte Stadtsiedlung heraus: die breite Grabenpromenade, die an Stelle der alten Wälle und Gräben angelegt ist, umgibt sie. Und in dieser alten Stadt erkennen wir als Mittelpunkt den Hauptmarkt, der an der Stelle liegt, wo die von Nord nach Süd und die von Ost nach West führenden Hauptverkehrsstraßen sich schneiden. Unmittelbar neben dem Hauptmarkt liegt als Nebenmarkt der Kornmarkt, der dazu diente, den Hauptmarkt zu entlasten. Zwei Brücken führen über die Zwickauer Mulde, zwischen beiden, am Graben gelegen, erblicken wir die gewaltige Anlage des Schlosses Osterstein (heute Gefangenenanstalt).

Abb. 2 Zwickau

An die alte (innere) Stadt ist dann das »moderne« Zwickau angebaut. Die Baufläche ist schematisch in Längs- und Querstraßen aufgeteilt, die ohne Rücksicht darauf, ob sie verkehrsreich sind oder nicht, in gleichmäßiger Breite angelegt wurden – das typische einer modernen Großstadt, die keine stillen Gäßchen, keine lauschigen Winkel kennt, die nur mit dem Lineal des Technikers, ohne die Liebe eines Städtebaukünstlers, konstruiert ist.

Abb. 3 Plauen (Vogtland)

Noch deutlicher tritt diese schematische Raumaufteilung bei Bild 3 in Erscheinung: Plauen im Vogtland. Trostlos wirkt, von oben gesehen, eine derartige, an amerikanische Städte erinnernde Bauweise. Die Höfe der Häuserblöcke sind verbaut mit Hinterhäusern und Fabrikgebäuden, es kommt durch dieses Verbauen der Höfe nicht genügend Licht, Luft und Sonne in die Wohnungen, die in diesen Häusern sich befinden. Die Grundbedingungen also, die Gesundheit gewährleisten, bleiben unerfüllt. Die Bewohner derartiger Mietskasernen (die übrigens noch direkt harmlos gegen die Berliner Mietskasernen sind, bei denen vier bis sechs Höfe und Hinterhäuser hinter einem Vorderhaus liegen) müssen den Zusammenhang mit dem Grund und Boden, mit der Heimaterde verlieren – die verhängnisvollen Folgen der seit 1870 betriebenen Spekulation mit Grund und Boden (Bodenwucher), die zwingt, hoch und eng zu bauen, treten auf diesem Bild deutlich zutage. Wer aber den Zusammenhang mit der Heimaterde verloren hat, wer in seiner »Wohnung« nur noch den Abstellraum für seine Möbel erblicken kann, der kann auch keine Heimatliebe mehr empfinden, weil er sich als ein Ausbeutungsobjekt andrer betrachten muß. Wir haben wirklich keine Veranlassung, verächtlich auf die Bauweise unsrer Vorfahren herabzublicken, die es viel besser verstanden haben zu bauen als wir.