Auch über den Ausbau der Meilenbezeichnung an den Poststraßen geben die Akten nur vereinzelt sichere Auskunft.
Interessante ausführliche Baurechnungen und Aktengebühren enthält z. B. das Faszikel Frauenstein (XXXI. F 26 35547) über die drei Meilensäulenmodelle an den Straßen nach Dippoldiswalde und nach »Döplitz«. Wir finden da für Viertelmeilsäule Nr. 53 folgende Posten:
| 5 Th. | 8 gl. | Lohn für ¼ M Säule einschl. Maler und Bildhauer | |
| 4 gl. | Ladtegeldt beim Aufladen im Steinbruch | ||
| 2 gl. | 4 ₰ | Neubefestigung der Säule | |
| 9 gl. | 3 eiserne Dübel | ||
| 16 gl. | Einmachen der Dübel | ||
| 1 Th. | 12 gl. | Lohn an Maurermeister für Grund, beim Auf- und Abladen zugegen zu sein u. s. w. | |
| 9 Th. | 22 gl. | 4 ₰ | |
In andren Akten werden vom Fiskus auch die Werkzeichnungen und Kupferstiche (vgl. Mitt. Abb. 1, S. 72, 1922) noch mit drei Groschen in Rechnung gesetzt und umfängliche Gebühren für die Aktenführung eingestellt.
Neben andern ausführlichen Abrechnungen liefern uns ferner die Reiseberichte Zürners aus späteren Jahren manchen Beweis über Vorhandensein und Beschaffenheit der Straßenzeichen. 1724 wurde z. B. auf einer Revisionsfahrt Dresden–Dippoldiswalde–Frauenstein festgestellt: »Die Säulen 4 bis 10 wackeln. Schrift schlecht. Schlecht gestrichen.« Der Viertelmeilenstein mit der Zahl neun und dem Jahr 1723 ist heute inmitten Dippoldiswalde selbst aufgestellt und stammt zweifellos von einer Außenstrecke. Ein Ratsbericht vom 27. Juli 1725 erwähnt eine Distanzsäule vor dem Obertor und eine Viertel- und eine Halbmeilensäule auf der Dresdner und Gebirgischen Hauptlandstraße im Weichbild. Mit einer zweiten Distanzsäule vor dem Niedertor wird die Stadt durch Reskript vom 18. September 1725 jedoch nach vielen Verhandlungen verschont.
Ähnliche Berichte über Verfall, Zerstörung, Wiederaufrichtung und Vorhandensein der Straßensäulen finden wir zwar noch in mehreren Aktenstücken; ein Gesamtbild von der planmäßigen Besetzung der Poststraßen läßt sich aber daraus nicht entnehmen, so daß wir auch hier, ähnlich wie bei den Stadtsäulen, über den einstigen Bestand völlig im Unklaren bleiben.
Wenn man also heute nach zweihundert Jahren ein Verzeichnis der übriggebliebenen Postzeichen aus allen Teilen des Landes aufstellen will, so ist man trotz ihres geringen Alters doch genau wie bei einer wirklichen Altertumsforschung darauf angewiesen, allerwärts aufs Geratewohl zu suchen und zu fragen. Neben der Umschau in der Natur können Bilder, Reisebeschreibungen, Pressenotizen und Ansichtskarten vielleicht auf die richtige Spur leiten. So finden wir z. B. auf Aquarellbildern im Oschatzer Museum die beiden verschwundenen Distanzsäulen vor dem Spitaltore und vor der Gottesackerkirche oder auf einem Stadtbild von Nossen einen Halbmeilenstein am rechten Muldenufer abgebildet. Bei manchen persönlichen Mitteilungen ist zumeist Vorsicht geboten; so hatte ich ohne eigne Nachprüfung aus der Literatur zwei Distanzsäulen am Parktor von Schloß Lichtenwalde bei Chemnitz unter Nr. 22 und 23 meines Verzeichnisses von 1922 aufgenommen. Als ich sie nachträglich noch aufsuchen wollte, war nichts von ihnen zu sehen und der Schloßherr versicherte mir, daß auch nie eine solche Säule auf seinem Besitztum gestanden habe. Hier liegt wahrscheinlich eine Verwechslung mit den zwei Säulen am Moritzburger Schlosse vor; jene beiden Nummern sind also zu streichen.
Gleichfalls nicht zu finden ist die Viertelmeilenplatte Nr. 73 an der Wasserschänke bei Röhrsdorf. Nach Auskunft der Bewohner soll sie überhaupt nicht dort gestanden haben und ist infolgedessen ebenfalls im Verzeichnis zu tilgen.
Mit solchen Fehlern, denen ich später noch andre anzufügen habe, muß man erfahrungsgemäß bei allen Erkundigungen rechnen, die nicht ausschließlich auf eignem Augenschein beruhen, aber trotzdem bleibt solche Umfrage das einzig wirksame Mittel und die Forschung läßt sich – besonders in heutiger Zeit – nur betreiben, wenn es gelingt, eine möglichst große Zahl ortskundiger Helfer für die Sache zu interessieren. Da dies aber nur auf dem Wege durch die Presse möglich ist, so mag es nicht verwunderlich erscheinen, wenn meine erste Veröffentlichung, bei der ich insgesamt neunundsiebzig Distanzsäulen und Meilenzeichen zusammengebracht hatte, nicht nur zu verbessern, sondern auch verschiedentlich zu ergänzen ist.
Neben steinernen Bruchstücken in Museen oder Privatbesitz oder neben Meilenzeichen an entlegenem Orte haben sich drei wohlerhaltene städtische Distanzsäulen gefunden, die zwar an ihrem Platze täglich von allen Einheimischen gesehen werden, in der heimatlichen Literatur aber für den Sammler bisher nicht zu finden waren. Infolgedessen glaube ich auch heute nicht, daß die Sammlung mit diesem ersten Nachtrag völlig erschöpft sein wird, sondern bitte, mit wiederholtem Dank an alle Einsender, auch künftig um Beschreibung weiterer Funde. – Ergänzende Mitteilungen über die Jahreszahlen einiger Distanzsäulen hat mir Eisenbahninspektor Bernhard Meinke gemacht. Demnach ist in Tabelle A a, b, Heft 4/6, 1922 nachzutragen: