[3] Nach Berechnungen des Statistischen Amtes waren die in Betracht kommenden Temperaturen 1922: 16,52° und 1923: 12,31°.
[4] Nicht unterlassen möchte ich, auch an dieser Stelle der Hausverwaltung des Rathauses für das freundliche Entgegenkommen und die Erleichterungen meiner Beobachtungen auf dem Rathausturm meinen besten Dank auszusprechen.
Die kursächsischen Postmeilensäulen
Erster Nachtrag mit vier Aufnahmen des Verfassers von Dr. Kuhfahl, Dresden-A 1
Das Postwesen Augusts des Starken, das ich samt seinen steinernen Überresten vor Jahresfrist zu schildern versuchte (Heft 4 bis 6, 1922), hat in heimatliebenden Kreisen augenscheinlich großes Interesse erregt, so daß mir in vielen Dutzenden von Zuschriften eine Menge von Ergänzungen aus allen Teilen des einstigen kursächsischen Staatsgebiets zugegangen sind.
Bekanntlich liegen die Anfänge eines geordneten Postverkehrs jetzt zweihundert Jahre zurück. Gegenüber andren unklaren geschichtlichen Vorgängen zählt diese Frage also zu den jüngsten, und man kann angesichts ihres geringen Alters wohl gar nicht einmal von einer wirklichen Erforschung der steinernen Postmeilenzeichen sprechen. Obendrein sind wir durch die aktenmäßigen Unterlagen, die uns bis auf wenige Ausnahmen erhalten blieben, über die Absichten und die Maßnahmen Augusts des Starken und seines Landesgeometers Zürner seit 1722 bis in die Einzelheiten genau unterrichtet, so daß sich eine geschichtliche Darstellung des ganzen Unternehmens mit voller Sicherheit und Vollständigkeit geben läßt.
Tatsächlich liegen seit hundert Jahren auch bereits die verschiedensten Schilderungen vor, aber die praktische Seite der Sache ist bis heute lückenhaft geblieben, denn es fehlen bereits aus augusteischer Zeit urkundliche Belege oder andere Anhaltepunkte dafür, inwieweit die kurfürstlichen Befehle im Laufe der Jahre oder Jahrzehnte wirklich in die Tat umgesetzt, d. h. wieviel und an welchen Punkten nun wirklich die verlangten Postmeilenzeichen errichtet worden sind.
Die dreiundachtzig Aktenhefte aus den Jahren 1722 ff., die heute in den Staatsarchiven von Dresden, Berlin und Magdeburg aufbewahrt werden, sind alphabetisch nach Städtenamen und Amtsbezirken geordnet. Einige Dutzend mögen verloren gegangen sein, denn es fehlen nicht allein die ersten drei Buchstaben, sondern auch viele Orte, die sicherlich schon damals mit dem Poststraßennetz in Beziehung gestanden haben oder in Wirklichkeit, wie Altenberg, Aue, Bärenstein, Bischofswerda, Krakau bei Königsbrück, Pegau usw., mit Distanzsäulen versehen worden sind.
Wenn es einerseits also verschiedene Städte mit Postsäulen gibt, deren Entfernungsangaben, Inschriftsentwürfe, Kostenanschläge oder dergleichen urkundlich nicht auf uns gekommen sind, so kann man anderseits freilich aus dem bloßen Vorhandensein eines Aktenfaszikels noch längst nicht mit Sicherheit darauf schließen, daß die städtische Distanzsäule oder die Reihe der Straßenzeichen nun auch tatsächlich in der anbefohlenen Weise errichtet worden sei, denn die kostspieligen Pläne des prunkliebenden Fürsten fanden bei den Untertanen eine ziemlich abfällige Kritik.
Während Zürner ursprünglich die Weisung hatte, in jeder Stadt vor jede Torausfahrt eine große Wegsäule setzen zu lassen, auf der die Entfernungen der auslaufenden Straßen dutzendweise eingemeißelt werden sollten, mußte dieser Plan angesichts der ablehnenden Haltung sämtlicher einzelner Stadtverwaltungen stark eingeschränkt werden. Fast alle Aktenfaszikel enthalten nämlich einen ehrerbietigsten Protest des betreffenden Bürgermeisters, in dem die Leere des Stadtsäckels und die Armut der Bürgerschaft dargestellt und um Befreiung von der neuen Last gebeten wird. Der Bescheid des Kurfürsten geht dann nach Zürners eigenhändigem Entwurfe zumeist dahin, daß gnadenweise statt mehreren Torsäulen nur eine Marktsäule angeschafft oder daß in besonderen Fällen nur zwei bis drei der wichtigeren Tore besetzt werden sollten. Die meisten Aktenhefte schließen mit diesem Bescheid und nur selten finden sich Kostenanschläge, Steinmetz- und Maurerrechnungen, Fuhrlohnquittungen, Gesamtabrechnungen oder ähnliche Papiere, aus denen man auf die wirkliche Aufstellung der Distanzsäulen in der Stadt schließen kann.