Die zweite Distanzsäule ist für das Städtchen Grünhain nachzutragen. Im Aktenstück Grünhayn (rep XXXI G 45 35553) finden wir die Nachbarorte Schlettau, Zwönitz, Elterlein und Geyer mitbehandelt. Von der Schlettauer Säule, die nach einem Erlaß vom 21. Februar 1727 an Stelle von drei Torsäulen auf den Markt gesetzt werden sollte, habe ich bis jetzt keine Spur entdecken können. Dagegen wurden die drei andern Stadtsäulen bereits früher als vorhanden aufgeführt.

Abb. 1 Erneuerte Distanzsäule in Frankenberg

Das Grünhainer Stück ist aus weißem Granit gefertigt und zeigt die Formen eines Distanzobelisken ohne den plastischen Wappenzierat; es sollte nach einem Befehl vom 20. Dezember 1723 vor dem Amtshaus aufgestellt werden, ist also augenscheinlich später nach dem jetzigen Platz an der Straße versetzt worden. Der Streit um die Kosten, der übrigens auch durch einen umfänglichen Schriftwechsel aktenmäßig bestätigt wird, lebt im Volksmunde, wie man mir mehrfach berichtete, in folgender Gestalt weiter: Der Staat habe die versprochene Beihilfe verweigert. Daraufhin hätten die Grünhainer das Wappenstück mit dem kurfürstlichen und königlich polnischen Schildern zerschlagen, auch habe man die Entfernungen gegen Chemnitz, Lößnitz und Schneeberg nicht einmeißeln lassen und die Säule am Amtshaus weggenommen, um sie auf städtischen Boden zu stellen.

Auf eine dritte wohlgepflegte Distanzsäule stoßen wir schließlich in Pegau an der Elsterbrücke. Ein Aktenheft von Pegau ist nicht vorhanden, doch ergibt sich aus verschiedenen örtlichen Mitteilungen, daß der Obelisk seit 1723 hier am Leipziger Tor gestanden hat, während ein zweiter sich am Obertor befand. Der letztere ist seit 1873 verschwunden, während der andere durch den Verschönerungsverein unter Beihilfe des Stadtsäckels und des Landesamts für Denkmalspflege mehrere Male sorgfältig ergänzt und erneuert worden ist. Dabei hat man im Jahre 1898 zum Regierungsjubiläum des Königs Albert, das verstümmelte Wappenstück durch ein neues aus Nebraer Stein ersetzt und im Jahre 1922 farbig bemalt.

Diese drei städtischen Distanzsäulen sind bezeichnenderweise die einzigen nachgemeldeten Funde von guter Beschaffenheit; alles übrige stellt nur Bruchstücke und verstümmelte Reste dar. Da aber auch diese geeignet sind, das einstige Bild vervollständigen zu helfen, so mögen sie kurz geschildert werden.

Die Tharandter Säule ist mit einem sechzig Zentimeter hohen, leidlich erhaltenen Wappenteil erhalten, das am Mühlgraben gegenüber dem Kurhaushotel bei einer kleinen Brücke aufgepflanzt ist.

Von einer der Meißner Torsäulen steht der sechsundachtzig Zentimeter hohe konische Teil mit Wappen und Inschriften jetzt im Privatgarten Liebenecke bei Cossebaude. Angeblich stammt das Stück vom Lommatzscher Tor und aus dem Jahre 1722.

Ein zwei Meter langes Bruchstück der Stadtsäule hat sich in Frauenstein in einem Privatgarten am Treffpunkte von Bahnhof und Freiberger Straße erhalten. Auf Grund eines kurfürstlichen Erlasses vom 7. Oktober 1723 wurde dem kleinen Bergstädtchen nachgelassen, eine einzelne Marktsäule an Stelle von vier Torsäulen anzuschaffen. Dieselbe Genehmigung erhielt nach dem gleichen Aktenheft im Jahre 1727 auch der Nachbarort Sayda; bei beiden Orten fehlt aber der aktenmäßige Anhalt dafür, ob die Befehle ausgeführt worden sind. Während in Sayda sich augenscheinlich nichts von der Distanzsäule erhalten hat, ist in Frauenstein durch privates Interesse des früheren Bürgermeisters das Wappenstück und der anschließende konische Stein mit verwitterten Inschriften aus dem Schutt des großen Stadtbrandes von 1869 gerettet worden.

Das Wappenstück einer Distanzsäule erwähnte ich früher als Nr. 5 des Verzeichnisses im Hausflur des Rathauses von Elstra bei Kamenz. Der Stein zeigt einen seltsamen rhombischen Durchschnitt und weist noch einen eisernen Bolzen auf, mit dem er auf dem unteren Stück des Obelisken eingelassen gewesen ist. Aktenmäßige Unterlagen sind hier ebensowenig vorhanden, wie für das meterhohe Mittelstück einer Distanzsäule, das im Heimatmuseum der benachbarten Stadt Bischofswerda steht (Nr. 60 des Verzeichnisses, Heft 4/6, 1922). Die Inschrift 1724 und viele Entfernungsangaben, z. B. Reichenbach 36 Stunden, Hof 46 Stunden usw., sind gut erhalten und lassen darauf schließen, daß der Stein wirklich aus Bischofswerda stammt.