Einige kümmerliche Bruchstücke des Wappenteiles wurden mir aus Lommatzsch gemeldet. Nach der allgemeinen augusteischen Anweisung sollten auch dort zunächst vier große Distanzsäulen vor den vier Toren aufgestellt werden; auf das Gesuch des Rates vom 1. September 1725 genehmigte der Kurfürst jedoch, daß nur eine Säule am Markt und »tüchtige Armensäulen vor den Toren« gesetzt würden. Die handgroßen Trümmer von Krone und Wappenspiegeln, die seit vierzig oder fünfzig Jahren im Giebel einer Scheune des Apothekengrundstücks an der Promenade eingemauert stecken, stammen also zweifellos von dieser Marktsäule, die man hier, wie an manch anderem Orte, bei den fiskalischen Chausseebauten um die Mitte des vorigen Jahrhunderts beseitigt hat. Da sich aber doch nach den Beispielen von Frauenstein und Lommatzsch auch anderwärts hier und da ein vernünftiger Mensch gefunden haben könnte, der ein altersgraues Kunstwerk vor der Vernichtung bewahrte, so verlohnt es sich vielleicht in mancher kleinen und mittleren Stadt noch weitere Nachsuche nach solchen Teilstücken zu halten.

Man mag dabei besonders auf die konischen Längsteile der Distanz- und Meilensäulen achten, die mehrmals schon als Steinbank oder Türschwelle wiederentdeckt worden sind.

Von den Postmeilenzeichen an der Straße sind gleichfalls noch eine Anzahl unbekannter aber meistenteils unvollständiger Stücke zum Vorschein gekommen.

Der schlanke Obelisk für die ganze Meile steht in Schönfeld an der »hohen Straße« von Großenhain nach Königsbrück, an der übrigens auch noch eine Halbmeilensäule bei Sacka und ein Viertelmeilenstein bei Quersa neu entdeckt wurden. Die Schönfelder Säule trägt gleich den andern beiden den Namenszug und die Zahl 1722. Sie dient als Wegweiser in der Nähe der Kirche und besteht nur noch aus dem konischen Teil, während der Unterbau fehlt.

Eine andere Meilensäule wurde mir aus Frankenhausen an der Pleiße gemeldet. Posthorn und Jahreszahl 1726 sind sichtbar; der Rest der Inschrift dagegen stark verwittert. Von dem leidlich erhaltenen Denkmal ist die Spitze in etwa Meterlänge verschwunden und nur der eiserne Verbindungsdübel noch sichtbar.

Über Halbmeilensäulen außerhalb Sachsens ist mir eine Meldung aus Halle zugegangen, die ich nicht selbst nachprüfen konnte. An der Landsberger Kunststraße, drei Kilometer nördlich Kölsa, soll sie bei P. 109 der Generalstabskarte am nördlichen Straßenrand stehen und der Deckplatte beraubt sein.

Über die Halbmeilensäule im Wermsdorfer Staatsforstrevier (Nr. 77 des Verzeichnisses von 1922) sei bemerkt, daß ich bei einem Besuch im Herbst 1922 die Deckplatte am Boden liegend fand, so daß auch dies einzige vollständige Stück nun nachträglich Schaden erlitten hat.

Abb. 2 Rest einer Meilensäule in Schönfeld bei Großenhain

Eine andere Halbmeilensäule, die beim Kunststraßenbau ausnahmsweise nicht zu Schotter gehackt worden ist, findet sich an der »Hohen Straße« Großenhain–Königsbrück, und zwar wenige Schritte westlich des Wegkreuzes Sacka–Glauschnitz, Tauscha–Röhrsdorf. Der Stein steht ohne den üblichen Unterbau und ohne Deckplatte am Grabenrand und trägt die Inschrift 1722.