Ein völlig modellgerechtes Stück, das am Fuß und Kopf ergänzt worden ist, trifft man seit Herbst 1922 an der Kunststraße Freiberg–Oederan bei Kilometer 6,4, gegenüber dem Oederaner Schützenhaus. Es verdankt dem Architekten Reinhard Kempe in Oederan seine Auferstehung. Das Mittelstück hatte dort seit undenklichen Zeiten als Bank gedient und fiel dem Entdecker durch seine konische Form auf. Beim Umwenden kam die nach unten liegende Inschrift »AR. Oederan ½ St., Chemnitz 5¼ St.

1722« zutage und ließ den Ursprung erkennen. Der Erzgebirgsverein Oederan und das Landesamt für Denkmalpflege stellten die Geldmittel für die Ergänzung und Wiederaufstellung zur Verfügung und so ist durch gemeinsame Bemühungen dort an der großen erzgebirgischen Querstraße, inmitten einer schönen Baumgruppe wenigstens ein vollständiges Beispiel für die Nachwelt erhalten worden.

Abb. 3 Ergänzte und wieder aufgestellte Halbmeilensäule am Schützenhaus von Oederan

Noch größer als die Zahl der Halbmeilensäulen, ist die der wiederentdeckten Viertelmeilensteine.

Außerhalb Sachsens wurde mir – in Verbindung mit einer Halbmeilensäule – eine Viertelmeilenplatte am Westrande der Kunststraße Halle–Landsberg bei Gerbisdorf, und zwar hundert Meter nördlich vom Südwestende des Dorfes gemeldet. Sie soll dem einstigen Modell in Umriß, Profilierung und Größenverhältnissen durchaus ähnlich sein. Die Sockelplatte liegt daneben im Grase und die Inschriften erscheinen kaum noch leserlich.

Ein anderes Viertelmeilenzeichen mit der Zahl 1722 steht an der schon mehrmals erwähnten »Hohen Straße« auf Flur Quersa am Wegkreuz Schönfeld–Quersa, Lampertswalde–Mühlbach. Es ist stark verwittert und ohne Unterbau und Oberteil einfach am Feldrand aufgerichtet.

Ein guterhaltener Viertelmeilenstein vom Jahre 1724, dem jedoch die dreieckige Oberplatte fehlt, findet sich bei Schwarzenberg am Wegkreuz Antonstal–Unterrittersgrün, Crandorf und Breitenbrunn. Er hält die richtige Entfernung zu dem Meilenobelisk von Crandorf ein und dürfte zu einem alten Gebirgsübergang gehört haben. Vielleicht lohnt es sich, gerade dort in den einsameren Gebirgswäldern, die vom Kunststraßenbau verschont blieben, noch eine Suche nach weiteren Steinen in südlicher Richtung vorzunehmen.

Eine Porphyrplatte mit Posthorn, Namenszug und 1722 steht jetzt im Rittergutsgarten zu Kötteritzsch bei Großbothen. Der Rittergutsbesitzer Dr. Becker hat das Teilstück vor etwa fünfundzwanzig Jahren im Straßengraben des Weges Kötteritzsch–Großbothen in halbversunkenem Zustand aufgefunden und auf sein Grundstück gerettet. Das Viertelmeilenzeichen mag, ebenso wie die Meilensäule von Ballendorf (am Weg Lausigk–Colditz), zu einer Verbindung von Leipzig über Grimma nach Colditz gehört haben.