Wir werden in nächster Zeit über diese Aufgabe näher berichten können.
Abb. 1 und 2 zeigen uns den Entwurf des in Ausführung begriffenen Herrenhauses Dr. Lieber in Stroga bei Großenhain, er stammt von Architekt Dr. Otto Schubert, Dresden und wurde im Einvernehmen mit uns aufgestellt. In diesem Fall waren uns wegen der wenig günstigen Bauweise des in den siebziger Jahren erbauten Hauses – es handelt sich um einen Umbau – bei Gestaltung des Äußeren die Hände sehr wenig gebunden, weshalb ein völlig neuer Baukörper geschaffen werden konnte. Gewählt wurde das allseitige Mansardendach mit zeltartigem Anbau an der Parkseite als Betonung des angefügten Hallenvorbaues, der dem Haus Eigenart und Vornehmheit geben wird.
Es braucht kaum hervorgehoben zu werden, daß wir dem Kleinwohnungsbau und Siedelungsproblem und der damit verknüpften Fragen ständig unsre größte Aufmerksamkeit zugewendet haben. In bestem Einvernehmen mit den Verwaltungsbehörden haben wir in Hunderten von Fällen Gegenvorschläge für ungenügende Eingabezeichnungen angefertigt oder aber, wo dies angängig erschien, auf Zuziehung tüchtiger Architekten gedrungen. Nicht immer war uns Erfolg beschieden, aber in zahlreichen Fällen fanden wir verständnisvolles Entgegenkommen der Bauherren und Ausführenden. Besonders dankbar aber begrüßen wir die Förderung unsrer Ziele durch das Landeswohnungsamt, die Amtshauptmannschaften und Stadträte, die – besonders in einigen Gegenden unsres Sachsenlandes – mit zäher Ausdauer den Kampf gegen die Unkultur und Kunstlosigkeit gemeinsam mit uns durchkämpfen.
Dieser Unterstützung bedürfen wir auch, wenn es sich um die Einflußnahme auf die Gestaltung ländlicher Schul- und Verwaltungsgebäude sowie kirchlicher Gebäude handelt. Letzten Endes muß eben der Heimatschutz in die Herzen aller eindringen, von allen gewollt werden und Angriffe auf unsre schönen alten Städte- und Dorfbilder als auf uns alle persönlich gerichtet erkannt und abgewehrt werden.
Die Schönheit des Friedhofs ist ein Ideal, von dem wir noch himmelweit entfernt sind. Sowohl die Großstadtfriedhöfe als die der kleinen Orte bieten noch immer ein betrübliches Bild der Anhäufung von Schlechtem und Aufdringlichem. Hier liegt noch viel ernste und harte Arbeit vor uns. Soweit wir einwirken konnten, haben wir durch zeichnerische oder plastische Vorschläge zunächst einmal auf die Schaffung einer Generalidee gesehen, der sich das gesamte Friedhofsbild unterzuordnen hat. In vielen Fällen konnte als Ausgangspunkt der neuen Ordnung die eben im Entstehen begriffene Ehrung der Opfer des Weltkrieges dienen. So haben wir in Eppendorf gemeinsam mit Bildhauer Lippert Kirche, Denkmal und Friedhof zu einer festen Einheit zusammenschließen können und erkennen gern das verständnisvolle Entgegenkommen des Kirchenvorstandes an.
Anderorts war es nötig, durch strenge Vorschriften auf die Erhaltung des Charakters alter Friedhöfe zu sehen, so galt es in Cavertitz einen wundervollen alten Friedhof, der lange Zeit nicht mehr belegt worden war, zu schützen und die künftige Belegung zu regeln. Hier drangen wir, wie in ähnlichen Fällen, darauf, daß weder Baum noch Strauch noch die wichtigen alten Denkmäler angerührt wurden, daß vielmehr die neue Belegung auf alle diese erhaltenswerten Bestandteile des einzigartigen Friedhofsbildes Rücksicht nehmen mußte. Die besonders schwierige Lösung einiger Familiengrüfte, von denen leider zwei in schlechter Form schon aufgestellt waren, vertrauten wir im Einverständnis mit dem Kirchenvorstand und den ausführenden Gewerken Herrn Professor Groß von der Kunstgewerbeakademie an. Wir halten es überhaupt für die wichtigste Forderung bei der Verbesserung der Friedhöfe, daß die künstlerische Gesamtlösung in die Hände eines tüchtigen Bildhauers oder Architekten gelangt, denn die Praxis lehrt, daß mit geschriebenen Friedhofsordnungen nicht viel geholfen ist, solange nicht ein künstlerisch Tätiger ihre Durchführung überwacht; also auch hier kann sich der Heimatschutz nicht auf die Verhinderung des Schlechten beschränken, sondern er muß Positives schaffen.
Bei dem Arbeitsausschuß der Landesberatungsstelle für Kriegerehrungen gingen in den vergangnen Jahren täglich mehrere Entwürfe zur Begutachtung ein. Auch hier konnte ganz allgemein festgestellt werden, daß gute Lösungen nur dort entstanden, wo rechtzeitig ein tüchtiger bildender Künstler zugezogen worden war. Die vielen schlechten Ehrendenkmäler, die leider im Lande stehen und die wir trotz energischer Werbetätigkeit nicht verhindern konnten, beweisen, wie gering im Volke noch immer das Verständnis für künstlerische Werte ist. Glücklicherweise können wir aber auf eine stolze Reihe von Denkmälern blicken, die auf unsre Einwirkung hin entstanden sind und die, hoffen wir es, dazu beitragen werden, Urteil und Kritik zu schärfen. Allein von Beginn des Jahres 1922 bis jetzt wurden in etwa fünfzig Gemeinden Denkmäler nach unsren Vorschlägen ausgeführt, während die Ausführung unsrer Vorschläge an zehn andren Orten beschlossen wurde.
Abb. 1 Haus Dr. Lieber, Stroga, Hofseite
Nicht immer wurden unsre Anregungen freundlich aufgenommen, oft hielt man unsre Einwirkung für Besserwisserei und oft glaubte man unsre Einwände damit abtun zu können, daß man erklärte, man könne für sein Geld bauen, was man wolle. Solche Denkungsweise entspricht nicht der Kultur eines hochstehenden Volkes und ist der Ausdruck rohester materieller Gesinnung.