Wenn wir die Denkmäler des Weltkrieges mit denen andrer Völker vergleichen, können wir immer noch stolz auf die Leistungen unsrer bildenden Künstler sein, die sich glücklicherweise freihalten von Schematisierung, und wenn wir der Ursache des Erfolges nachspüren, so finden wir, daß unsre deutschen Künstler es viel besser verstanden haben, landschaftlich geeignete Aufstellungsplätze zu finden und was noch wichtiger ist, die Eigenart des Aufstellungsplatzes im Denkmal zum Ausdruck zu bringen, also der künstlerische Takt der Einfügung des Kunstwerkes in die Umgebung ist auch hier ausschlaggebend für seine Wirkung.
Aber auch kunstgewerbliche Aufgaben, die mit dem Orts- und Landschaftsbild irgendwie zusammenhängen, haben uns laufend beschäftigt. Hierzu gehören vor allem Orts- und Warnungstafeln, Flaggen, Standarten, Ehrenurkunden und dergleichen. Zur Lösung dieser Aufgaben stellte sich uns Professor Rößler von der Kunstgewerbeakademie in uneigennütziger Weise zur Verfügung und ihm ist es zu verdanken, daß unter Heranziehung seiner Schülerschaft eine große Reihe dekorativer Arbeiten öffentlichen Gepräges in gute Form gebracht wurde. Gleichzeitig bereitet uns diese Art der Erledigung die Befriedigung, dem akademischen Unterricht durch Überweisung praktischer Aufgaben positiven Gehalt verschaffen zu können. Aber auch die im Erwerbskampf stehenden dekorativen Künstler konnten wir des öfteren zu größeren Aufgaben heranziehen.
Abb. 2 Haus Dr. Lieber, Stroga, Gartenseite
Überhaupt lag es uns daran, nicht nur auf dem Gebiet der reinen Architektur sondern auch auf dem der übrigen bildenden Künste, insoweit sie Stadt- und Landschaftsbild beeinflussen, mitzuarbeiten und zur Lösung der auftauchenden Probleme mitzuwirken. Hierbei beschäftigten uns in erster Linie zwei Probleme: die Farbe im Stadtbild und die Außenreklame.
Ausgehend von den zahlreichen verunglückten farbigen Bemalungen in unsern Groß- und Kleinstädten hielten wir mehrmals im Kreise unsrer Sachverständigen eingehende Beratungen über diese für das Ortsbild so wichtigen Frage ab und kamen dabei einheitlich zu der Überzeugung, daß bessere Lösungen nur dann erwartet werden können, wenn eine behördliche Melde- und Genehmigungspflicht eingeführt und rechtzeitige Heranziehung künstlerischer Kräfte durchgesetzt wird. Wir hatten hier Gelegenheit, den Herren Vertretern der Stadt Dresden gegenüber die alsbaldige Erlassung eines besonderen Gesetzes zum Schutze des Ortsbildes zu fordern, in dem wir auf zahlreiche andre sächsischen Städte hinwiesen, wo dies bereits in vorbildlicher Weise geschehen ist. Inzwischen haben wir in einigen Orten, so in Königstein, Neustadt, Hartenstein usw., bereits für die praktische Lösung farbiger Straßenbemalung positive Vorschläge gemacht, die von Erfolg begleitet sind. Anderorts, so in Meißen, haben wir eine aus wenigen schaffenden Künstlern und dem Bürgermeister bestehende Kunstkommission zur Überwachung des Stadtbildes ins Leben gerufen und wir hoffen, auf diesem Wege fortzuschreiten, bis überall der Gemeinsinn geschärft, bis überall die Schönheit unsrer Städte und Landschaft Gemeingut aller geworden ist. Allenthalben haben wir dabei uns möglichst von der Theorie und dem Aufstellen von Richtlinien ferngehalten, sondern glaubten der Allgemeinheit am besten durch praktische Vorschläge dienen zu können.
Die Reklame ist die am meisten umstrittene Aufgabe, mit der wir uns befaßt haben. Sie hat uns oft mehr als uns lieb war in Anspruch genommen. Seit Bestehen unsres Vereins haben wir ihre Auswüchse bekämpft und versucht, ihre Formen in bessere Bahnen zu lenken, sind aber nie Reklamefeinde gewesen, wie man uns gern in die Schuhe schieben will. Als nach Kriegsende unsre Reichsverkehrsbehörden – Post und Eisenbahn – dazu übergingen, eine schranken- und geschmacklose Reklame an ihren Bauten zuzulassen, die ihnen nachweislich ganz geringe Einkünfte und wenn man die Beamtengehälter einrechnet, eigentlich nur Verluste einbringt, legten wir gemeinsam mit allen in Frage kommenden Künstlerverbänden und Wirtschaftsvereinigungen eine energische Verwahrung gegen die Verunstaltung des Stadtbildes ein, die Presse schloß sich unserm Vorgehen auf der ganzen Linie an. Nachdem auch der Reichskunstwart auf unsre Seite getreten ist, hoffen wir bestimmt, daß die gröbsten Verunstaltungen binnen Kurzem verschwinden werden.
Die erregteste Form nahm der Reklamekampf aber bei der Beurteilung der sogenannten Reklamestraße am Stadion auf den vormaligen Güntzwiesen an.
Wir hatten uns in einer Ausschußsitzung mit dem auftauchenden Plan der Reklamestraße beschäftigt und in einer Sachverständigensitzung beschlossen, die Zerreißung des wundervollen vom Großen Garten, den Güntzwiesen, der Bürgerwiese und dem Garten des Prinzenpalais gebildeten Grüngürtels abzulehnen und zu bekämpfen. Wie berechtigt unsre Bedenken waren, hat die Stellungnahme der breiten Öffentlichkeit nach Ausführung der Reklamestraße bewiesen. Die Reklamestraße ist als Versuch der Konzentration der Reklame entstanden und wir betonen hier ausdrücklich, daß wir alle großzügigen Versuche zur Verbesserung der Reklame nur begrüßen, aber die Güntzwiesen sind ein Gebiet, das für solche Versuche nicht geeignet ist.
Wie schon hervorgehoben, bringt der innige Zusammenhang zwischen Heimatschutz und Denkmalpflege mit sich, daß unsre Bauberatungsstelle eine Reihe der vorliegenden Aufgaben im ständigen Einvernehmen mit dem Landesamt für Denkmalpflege im Ministerium des Innern erledigt. Bei allen Veränderungen, Erweiterungen und Zutaten an Baudenkmälern, bei denen die Beratungsstelle gehört werden sollte, werden Gutachten und Vorschläge nur nach gemeinsamen Beratungen abgegeben. Es handelt sich vielfach um sehr wichtige Fragen, die öfters im Kreise der maßgebenden Dresdner Künstler besprochen werden. So machten wir einen Vorschlag für den geplanten, bisher allerdings noch unterbliebenen Ausbau von Schloß Übigau für die Zwecke der Schiffswerft Übigau, und hatten die Genugtuung, daß unser Vorschlag angenommen wurde. Ebenso bearbeiteten wir gemeinsam mit dem Stadtbauamt Löbau einen Entwurf für die Wiederherstellung des »Goldenen Schiffs« in Löbau und seine Verwendung für städtische Diensträume sowie die Verbindung des Gebäudes mit dem benachbarten Rathaus durch einen Übergang. Bis auf den kleinen Dachgiebel an der Marktseite, den wir nicht wünschten, sind dabei unsre Vorschläge durchgeführt worden und damit die reizvolle Barockarchitektur des früheren Hotels wieder hergestellt worden.