Wo Claus einst aus dem Fenster blies,

Ihn konterfei’n, in Stein gehau’n.

Dort ist er heute noch zu schau’n

Gar schön vergoldet; und das Haus –

Da ward’s Trompeterschlößchen draus.

Wie man hieraus ersieht, ist Widar Ziehnert der eigentliche Erfinder der Sage, wie sie sich in Dresden erhalten hat. Er hat die Mär aufgebracht, daß der Spuk vom blasenden Trompeter sich im Trompeterschlößchen selbst zugetragen habe. Wer wissen will, wie sich die Sage in der sagenfrohen Zeit der Romantik weiter mannigfach gewandelt hat, der lese nach in Friedrich Gottschalks Deutschen Volksmärchen (Leipzig 1846) und in der Konstitutionellen Zeitung, Jahrgang 1854, Nr. 3 ff., wo ein Schriftsteller namens Winter als den Trompeter einen Polen namens Thaddäus Slawkowsky nennt und die Sage in das Jahr 1524 verlegt.

Auf die mündliche Überlieferung in Dresden und auf Theodor Hells »Ballade« beruft sich auch J. P. Lyser in seiner Sammlung »Abendländische Tausendundeine Nacht«, der den Spuk in Dresden spielen läßt und ihm durch die Hochzeit des verwundeten Wallensteinschen Trompeters mit der Tochter des Wirtes vom Trompeterschlößchen – nach der Rückkehr aus dem Dreißigjährigen Kriege – einen fröhlichen Abschluß gibt. Derselbe Lyser behandelt in Saphirs Humoristen den Stoff unter dem Titel Trompeter und Graumännchen wieder in anderer Weise.

Die Wirklichkeit ist nüchterner als die romantische Sage, die, wie es scheint, erst im neunzehnten Jahrhundert entstanden ist und in immer neuen Wandlungen auftaucht. Sicher ist, daß auf dem Grundstück, das am Dippoldiswaldaer Platz steht, seit 1635 Gasthofgerechtigkeit ruht und daß es sich um 1650 im Besitze des kurfürstlichen Feldtrompeters Peter Andreas befand. Schon im siebzehnten Jahrhundert wurde es als das »Schlößchen« bezeichnet. Nach dem Trompeterschlößchen wurde 1874 der westliche Teil der ehemaligen Großen Oberseergasse und das Weststück der anstoßenden früheren Kleinen Oberseergasse Trompeterstraße genannt. Ob – wie Gottschalk sagt – an Stelle des jetzigen Trompeterschlößchens, das seine gegenwärtige äußere Gestalt dem Jahre 1764 verdankt, ein Jagdschloß bestanden hat, das der Burggraf Konrad von Dohna im neunten Jahrhundert erbaute und das späterhin mit dem Untergange des Grafengeschlechts derer von Dohna allmählich verfallen sei, bleibt ungewiß.

Abb. 1 Trompeterschlößchen, Eingang vom Dippoldiswaldaer Platz