Ohne weiteres falsch ist die Mär, daß die Stätte des Trompeterschlößchens um das Jahr 1150 mit dem Jakobshospital überbaut gewesen sei, denn dieses stand, wie aus jedem alten Plane Dresdens zu ersehen ist, vor dem Wilschen Tor am Eingange der Annenstraße. Sicher aber ist, daß das Trompeterschlößchen mindestens seit dem siebzehnten Jahrhundert ein vielbesuchter Gasthof war. Hier mündeten die Straßen, die von Dippoldiswalde und von Dohna her nach Dresden führten. Von dem Schlößchen aus führte zwischen den beiden Seen, nach denen die Straßen Am See und Oberseergasse benannt sind, die Straße nach dem Seetor, und die Fuhrleute, die von Dippoldiswalde, Dohna usw. nach Dresden fuhren, sei es, um hier ihre Ladung abzulegen oder weiter über die Augustusbrücke nach Bautzen usw. zu fahren, pflegten im Schlößchen zu übernachten und erst am andern Morgen weiter zu fahren. Weiter nennt Iccander in seinem Buche von 1726 »Das fast auf dem höchsten Gipfel seiner Vollkommenheit und Glückseligkeit prangende Königliche Dresden in Meißen« im 32. Kapitel ›Von Gasthöfen in und vor Dresden‹ auch das Trompeterschlößchen am See, in welchem »die Garde du Corps oder reitende Trabanten ihre stets währende Estandart-Wacht hat.«

Abb. 2 Trompeterschlößchen, Bräustübl

Eine gleichzeitige Nachricht über das Trompeterschlößchen stammt aus dem Jahre 1719. Als damals die Hochzeit des Kurprinzen mit der Kaiserstochter Maria Josepha in prunkenden Festlichkeiten verherrlicht wurde, ward gleichzeitig aus Furcht vor Unruhen wegen der herrschenden Teuerung und Hungersnot eine Art Belagerungszustand über die Stadt verhängt. Unter anderm waren in den Vorstädten 26 Tage lang Dragoner mit dem Sicherheitsdienst beauftragt. Bezeichnend für die Schattenseiten der üppigen Festlichkeiten war, daß sich nachträglich die Gastwirte in dem Schlößchen (das ist das Trompeterschlößchen), in der Lilie (Fischerdorf) und im Roten Hirsch (Pirnaische Gasse) beschwerten, »daß sie genötigt gewesen seien, während dieser Solennitäten viele Reiter und Pferde bei sich aufzunehmen, ihnen alle Nacht Licht zu geben und dabei viel Ungemach von ihnen sowie vielen Schaden dadurch zu leiden gehabt, weil ihre Pferde, weil sie wenig Futter bekommen, aus Hunger die Krippen, Rauffen und sogar die Planken, wo sie angebunden gewesen, angefressen und so zerbissen hätten, daß neue dafür angeschafft werden mußten.« Nachdem sich der Rat von der Richtigkeit der Beschwerde überzeugt hatte, bewilligte er den drei Wirten eine auch auf Stall- und Lichtgeld sich erstreckende Vergütung von 24 Talern und 16 Groschen, ließ aber diese Summe (laut Resolution vom 7. Dezember 1719) von den zehn vorstädtischen Gemeinden aufbringen, zu deren »Sicherheit« jene Mannschaften dahin postiert worden waren.

Abb. 3 Trompeterschlößchen, Gasträume

Der Siebenjährige Krieg brachte dem Trompeterschlößchen schweres Unheil. Im Jahre 1760 brannte es bei der Belagerung Dresdens durch die Preußen vollständig ab. Erst vier Jahre später erstand es von neuem in der Gestalt, die es im Äußeren heute noch hat. Damals erhielt es auch als Wirtshausschild den blasenden Trompeter in der zeitgenössischen Tracht mit der Unterschrift:

Trompeterschlößchen nennt man mich,

Des Krieges Wut empfand auch ich.

Es warf mich unverhofft ein tötend Feuer nieder,