Allein ich stehe nun durch Gottes Gnade wieder. 1764.

17 Christoph Siegmund Beuther 64

Auch in der Napoleonischen Zeit erlitt das Trompeterschlößchen manches Ungemach. Während der Schlacht bei Dresden am 26. und 27. August ritt Napoleon wiederholt am Dohnischen Schlag vorüber, als er die feindlichen Stellungen und Pläne zu erkunden suchte; er soll auch einmal vor dem Schlößchen gehalten und die zum Ausfall vorüberziehenden Truppen begrüßt und angefeuert haben. Dem Trompeterschlößchen wurde in diesen Tagen von den Soldaten übel mitgespielt: Vater Jäppelt, der damalige Wirt, hat oft erzählt, man habe ihm nicht einen Tropfen in den Flaschen gelassen und von allen Eßvorräten sei nur ein fast fleischloser Kalbskeulenknochen übriggeblieben.

Im ganzen neunzehnten Jahrhundert bis heutigentags war und ist nun das Trompeterschlößchen als gut bürgerliches Gasthaus wohlbekannt und geschätzt. Da gab es unter anderm einen Stammtisch, an dem sich regelmäßig eine Anzahl Dresdner Bürger, besonders Handwerksmeister, beim Glase Bier zu fröhlicher Unterhaltung zusammenzufinden pflegten. An hundert Jahre hat dieser ehrbare Stammtisch bestanden.

Noch eine literarische Erinnerung knüpft sich an das alte gute Gasthaus. Eine Inschrift, die jetzt im großen Gastraum angebracht ist, berichtet darüber folgendes:

»In diesem Hause wohnte der Dichter Otto Ludwig aus Eichsfeld mit Unterbrechungen vom September 1849 bis zum Juni 1852; sein Drama ›Der Erbförster‹ wurde währenddem am 4. März 1850 vom Dresdner Hoftheater zum ersten Male aufgeführt, und er arbeitete damals an der Makkabäer-Tragödie. Hier erlebte der neununddreißigjährige Mann auch die glückliche Frühzeit seiner am 27. Januar 1852 geschlossenen Ehe mit Emilie geb. Winkler aus Meißen.« Er schrieb darüber an seinen Freund:

»Unsere Wirtschaft hat vor der Hand noch etwas studentenartiges, ich und meine Frau Studentin stecken zu zweit in demselben Zimmer des Trompeterschlößchens, das ich als Junggeselle schon innegehabt, einem Zimmer, das zehn Schritte lang und fünf breit und einem Kämmerlein, das eben Raum hat für die Betten, Koffer, Waschtisch und zwei Leute, die sich eben mühsam dazwischen und aneinander vorbei bewegen können.«


Dieses alte Dresdner Gasthaus, das an sich ein Stück Alt-Dresdner Heimat darstellt, hat nun in den letzten beiden Jahren im Innern eine neue Einrichtung und Ausstattung erhalten, die wir in ihrer Art von unserm Standpunkt aus als vorbildlich bezeichnen dürfen. Sie ist gutbürgerlich, ohne den Luxus oder den Schein von Luxus, durch den uns die vorige Generation von Architekten und Dekorateuren an so vielen Stellen, wo wir ihn weder brauchten noch suchten, den Aufenthalt verleidet hat, und doch so, daß Leute mit künstlerischen Anschauungen ihr Genüge finden und gern dort verkehren. Alles gewaltsam Humoristische, das einen mit der Zeit anwidert, alles falsch verstandene Volkstümliche, alles Unechte und Talmihafte ist vermieden, der künstlerische Grundzug des Ganzen aber ist einerseits aus den geschichtlichen und sagenhaften Erinnerungen des Hauses, anderseits aus den veränderten wirtschaftlichen Bedingungen unsrer Zeit gewonnen. Die alte Grundfläche ist vollständig geblieben, modernen Verhältnissen aber entspricht, daß an Stelle der Ställe und Schuppen für Pferde- und Lastwagen zweckmäßige Autohallen getreten sind. Die Fremdenzimmer mit Raum für insgesamt hundertfünfunddreißig Betten sind einfach aber gediegen mit allem ausgestattet, was ein bürgerlicher Reisender im Gasthause, das nicht ein luxuriöser Fremdenhof sein will, erwartet. Die Gasträume sind behaglich, anheimelnd und gediegen zugleich. Was in der Ausstattung an alte Zeiten erinnert, drängt sich nicht auf, als ob ein Gasthaus ein Altertumsmuseum wäre.

Die derzeitigen wirtschaftlichen Verhältnisse im kunstgewerblichen Betrieb aber wußte der Meister des Umbaus Professor Oswin Hempel in vollem Verständnis dafür mit genialem Blick auszumünzen. Bildhauer und Maler beanspruchen infolge der tariflich geordneten Gehälter und Löhne heute nicht mehr als der kunsthandwerkliche Arbeiter, der Ausführende, sie führen in gewissen Schranken selbständig aus, was der Meister nach seinem einheitlichen Plan in allgemeinen Zügen vorschreibt, ohne daß er bis in alle Einzelheiten gehende Modelle liefert. Die mechanische Übertragung fällt weg und jedes Stück Arbeit wird so zum kunsthandwerklichen Original. Damit ist ja eine neue Grundlage für eine Blüte des Kunsthandwerks gegeben. Der Meister liefert nur Skizzen, der handwerklich schaffende Bildhauer, Holzschnitzer, Metallarbeiter, Glasmaler, führt sie in freihändig schaffender Technik, die sich aus dem Material ergibt, aus. Was Künstler, wie Karl Groß in Dresden, Hofmann in Wien und andere anstreben, ist hier an einem größeren Beispiel trefflich in die Tat umgesetzt. Eine Reihe jüngerer kunstgewerblich arbeitender Künstler, wie der Bildhauer Rudolf Born, die Maler Skade, Creutz und Petzold haben hier gezeigt, wie sie handwerklich und persönlich zugleich zu schaffen verstehen; kunsthandwerkliche Betriebe wie die deutschen Werkstätten in Hellerau, Fickler in Hainsberg, Eichler und Bernhardt in Dresden haben in bester Einzelausführung die Wandvertäfelung in dunkler Eiche, die fichtene Decke u. a. hergestellt, und Meister Oswin Hempel hat dafür gesorgt, daß alles wie aus einem Guß dasteht, ohne daß die Handschrift der einzelnen Mitarbeiter verloren ging.