Abb. 4 Trompeterschlößchen, »Otto Ludwig-Zimmer«
Schon an dem rundbogigen Eingang beginnen die geschichtlichen Erinnerungen. Ein Relief in Stein zeigt ein schlichtes Gasthaus, vor dem ein Fuhrmann seine Pferde tränkt, wie es einst war, als die Botenfuhrleute von Plauen, Dippoldiswalde und von weiterher an diesem wichtigen Verkehrspunkte kurze Rast machten oder Einkehr hielten. Der Innenraum, den wir nun betreten, ein ansehnlicher, aber erfreulicherweise nicht für Massenbetrieb gedachter Raum ist durch eine dreifache Bogenstellung in rotem Porphyr und einen mächtigen behaglichen blauen Kachelofen mit bunten Schildereien abgeteilt. Die Kämpfer der Bogen zieren Reliefs mit Darstellungen von Brot, Fischen und vier Kartenkönigen. Eines der stilgerecht kräftigen Fenstergemälde erinnert an die Sage, daß an der Stelle des Trompeterschlößchens einst ein Jagdschloß der Burggrafen von Dohna gestanden haben soll, und in dem wuchtigen Unterzug ist das Wappen der Dohna, Ritter und Edelfräulein in Eichenholz geschnitten; die weiteren Fenster zeigen volkstümliche Gestalten: Koch, Kellnerin, Altenburgerin, Wendin, Dudelsackpfeifer und Postillion. Die Fenstergewände in rotem Porphyr sind mit ornamentalen Reliefs geschmückt.
Die Hauptinnenwand des größeren Raumabschnitts ist der Trompetersage im Bilde gewidmet. Hier hat der Maler Skade in kräftigen Farben gemalt, wie der mutige Trompeter den Gerippen zum Tanz aufspielt und wie er dann vom rosenumrankten Balkon seinen Triumph in die Welt hinausbläst. Dazwischen stehen auf Holztafeln, kunstvoll geschrieben, die ganz vortrefflichen Verse, in denen unser heimischer Dichter Ottomar Enking die Sage vom kecken Trompeterlein – im Inhalt sich nicht an Theodor Hell sondern an Widar Ziehnert anschließend – lebendig und frisch erzählt.
Eine besondere Überraschung bietet ein dem Hauptraum sich anschließendes Nebenzimmer. Es ist dem Andenken Otto Ludwigs gewidmet und in freier Verwendung von Biedermeier-Einzelheiten behaglich ausgestattet. Möbel in hellem Kirschbaumholz, zwei Dresdner Ansichten von Canaletto, Bildnisse Otto Ludwigs und seiner Frau, ein Kronleuchter in Kristallglas, ein eigenartiger Ofen, das alles von hellgelben Wänden umschlossen, ergibt ein charakteristisches Gesamtbild, dem Wesen Otto Ludwigs verwandt zu der Zeit, da der damals noch schwer ringende Dichter im Trompeterschlößchen heimte.
Eine Vorhalle mit Kachelverkleidung und einem blasenden Trompeter zu Pferd über dem Kamin und eine schlichte gemütliche Likörstube, genannt die Trompeterschänke, die sich an das alte Haus nach der Reitbahnstraße zu anschließt, vervollständigen das Trompeterschlößchen, das sein jetziger Besitzer Herr Louis Tögel in schwerer Zeit mit kühnem Mut zu neuer Gestalt erweckt hat. Für die vornehme Baugesinnung, die ihn dabei leitete, fand er in Oswin Hempel und seinen künstlerischen Helfern die Männer, die mit Lust und Liebe mit vollem Verständnis und Können für moderne Bedürfnisse zu sorgen und dabei die geschichtlichen Erinnerungen zu wahren verstanden.
So ist dem alten Trompeterschlößchen der Ruf eines besseren Hotels, einer gut bürgerlichen Gaststätte gewahrt, wie es in der Großstadt so selten und doch so notwendig ist, in seiner Einrichtung ein Beispiel des einfach Gediegenen und Anheimelnden gegeben. Ein Inschriftspruch im großen Gastzimmer lautet:
Laß draußen, was du an Sorgen und Mühen hast,
Und sei an behaglicher Stätte ein froher Gast.
Die Grundlagen dazu sind in dem neuen Trompeterschlößchen zu Dresden gegeben. Die Gäste mögen das übrige tun; denn