Ein einziger Raum hob sich von der Langweiligkeit der einen und den verunglückten Dekorationsversuchen der andern Abteilungen gleich wohltuend ab: der Raum Deutsche Weihnacht, den Professor Oskar Seyffert im Verein mit dem Architekten Professor Menzel eingerichtet hatte. Professor Seyffert hat in diesem Raum eine neue Probe seiner feinen Kunst abgelegt, für die sein Museum für sächsische Volkskunst und Volkskunde ein so erfreuliches und vorbildliches Zeugnis ist: seiner Kunst, zerstreute Dinge zu einer schönen, beseelten Einheit zu verbinden. Sein Raum war der einzige in der ganzen Ausstellung, in dem alles gut war.
Abb. 1 Das abschreckende Beispiel: Der Sonneberger »Weihnachtstraum«
Ein tiefes, edles, nächtliches Blau erfüllte den Raum mit ruhevoller, festlicher Stimmung. Goldene Sterne funkelten an der Wölbung, von der ein großer, mehrteiliger Leuchter, ein farbiger Stern aus Holz herabhing. Silberne und goldene Schaumglaskugeln schmückten ihn. Auch die Milchglaskugeln der Beleuchtungsanlage waren als Schmuck verwendet. Am Tage schimmerten sie weich wie tauende Eisbälle. Am Abend beleuchteten sie mit mildem Licht die glitzernden Weihnachtsbäume. Der feierliche Glanz einer stillen, blauen, deutschen Weihnacht lag über allem – mit so einfachen, aber fein abgewogenen Mitteln, ohne alle Apotheose, ohne alle Stimmungsmache wurde die Stimmung geschaffen, die der schon vorher beschlossenen Benennung des Raumes entsprach: Deutsche Weihnacht. So schlicht löste Seyfferts feinfühlige Hand die Aufgabe, die manchen andern zu pompösen oder gefühlvollen Dekorationskunststückchen verleitet hätte.
Abb. 2 Sternleuchter in der »Deutschen Weihnacht«
Auch auf den Gedanken, in diesen blauen Raum schlichte grüne Waldbäume, weihnachtliche Fichten zu stellen, konnte nur ein Künstler wie Professor Seyffert kommen, der ja, so wenig »poetisch« er sich auch geben mag, bis in die Fingerspitzen Poet ist. Grüne, im Glasschmuck glitzernde Weihnachtsbäume vor diesem nächtlichen Blau – das war nicht nur gut »gemacht«, das war gestaltete Dichtung eines Herzens, das sich auf Volkslieder, auf Märchen und Kinder versteht.
Abb. 3 Die Altarecke in der »Deutschen Weihnacht«
Auch an der Verwendung des Glasschmuckes erkannte man die künstlerisch fühlende Hand. Da war ein Baum nur mit bleichem Silber und mattem Gold behängt – er glitzerte wie bereift und hob nur ganz behutsam die Lößnitzer Krippe aus ihrer notwendigen Umrahmung in die Geschlossenheit des Raumes. In der einen Ecke flankierten die Weihnachtsbäume einen spätgotischen Altar aus dem Altertumsmuseum. Das edle, verblichene Gold der Holzschnitzerei durfte nicht überfunkelt werden – in das Gold und Silber des Glasschmuckes sprühten nur ganz wenige blaue und rote Kugeln einige funkelnde Lichter. In der andern Ecke im kirchenhaften Licht der schmalen Fenster glitzerten die Bäume bunt um bunte Weihnachtspyramiden und über farbenfrohem Spielzeug. Aber auch da wurde das Silber, Gold, Blau, Grün, Rot der Glaskugeln mit sorgsamem Bedacht auf geschlossene Wirkung in das tiefe, weiche Grün der Bäume verteilt. Und wie nun eine solche goldene Glaskugel im vollen Lichte glitzerte, eine rote aus dem Zweigschatten glühte, wie das Bunt die Bäume überrieselte, das war nicht ohne weiteres die Schönheit des Glasschmuckes, das war die Wirkung seiner geschickten Verwendung.