Abb. 18 Mätressenhügel, Niederlößnitz
nach Zeichnung von Regierungsbaumeister Nicolaus, Dresden

Wir sind nun bereits in den Bereich des ausgedehnten, »Wackerbarths Ruhe« genannten Weinberggrundstücks gelangt, über das im vorliegenden Heft eingehend berichtet wird. Wenngleich die ursprüngliche Bauharmonie infolge früherer Umbauten nicht völlig wiederhergestellt werden konnte, so bewundern wir doch an diesem stattlichsten aller Lößnitzbauten die großzügige Regie, durch die das gesamte Grundstück in eine künstlerische Einheit gebracht wurde, die hervorragende Achsenwirkung zwischen Herrenhaus, Kapelle und terrassenförmigem Ziergarten und die einzigartige Anordnung des Jakobsturmes auf der Höhe, der als plastische Lösung einfach hervorragend ist; sein Schöpfer war Baumeister, Bildner und Maler zugleich.

Aufnahme von Architekt Rometsch, Niederlößnitz

Abb. 19 Haus an der Friedrichstraße mit dem Jakobsturm, Niederlößnitz

Aufnahme von A. Richter, Radebeul

Abb. 20 Talkenberger Hof, Neu-Coswig

Wenn auch mit dem Wackerbarthschen Grundstücke die Zahl der architektonisch reicheren Weinbergbauten im allgemeinen abschließt, so treffen wir doch stromabwärts wandernd im Tal und an den Höhen eine weitere große Zahl reizvoller Gebäude an, die jedes für sich eigenartig und malerisch in die Landschaft eingebettet sind und doch allenthalben einheitliches Gepräge zeigen. Als besonders malerische Vertreter dieser Hausgattung sei hier nur der Talkenberger Hof in Neu-Coswig ([Abb. 20]) und ein Haus in Oberspaar ([Abb. 22]) angeführt. Friedliche Beschaulichkeit atmet das alte Gemäuer, breite ausdrucksvolle Putz- und Dachflächen, breit gelagerte Fenster- und Türöffnungen, Verzicht auf den Ausbau des Daches, das sind die Hauptrezepte des baulichen Gestaltens. Je mehr wir durch eigene Beobachtung den Gründen der harmonischen Wirkung solcher Gebäude nachspüren, um so eher wird es uns gelingen, die verlorene Bautradition in unserem Volke wiederherzustellen, die innere gefühlsmäßige Erfassung der Bauaufgabe, das war es, was uns in den letzten Jahrzehnten verlorengegangen war.