Abb. 21 Spaargebirge bei Meißen. Deutsche Bosel (Aus dem Heimatschutzarchiv)

Abb. 22 Weinbergshaus, Oberspaar (Aus dem Heimatschutzarchiv)

Und noch ein Blick auf die Weinbergshäuser des Meißner Landes! Wer kennt nicht diese Zeugen liebenswürdiger Heimatkunst, die zu fröhlicher Einkehr einladenden Weinschankgüter auf der Bosel und im Spaargebirge, allen voran die Deutsche und die Römische Bosel, das von Hagensche Weingut und den Meißner Ratsweinberg mit seinen malerisch in die Bergfalten gefügten Bauten? ([Abb. 21.]) Wer erinnert sich nicht gemütlicher Dämmerstunden beim Schieler und weltverlorener Träumereien unter dem Blätterdach alter knorriger Baumgestalten? Weitab von Tanztee und Geschäftsfieber haltet Einkehr an solchen Stätten, und Ihr werdet den Wiederschein der friedlichen Lebenskultur verklungener Tage in Euch erleben und den vielgepriesenen Fortschritt der neuen Zeit nur skeptisch beurteilen. Vom gegenüberliegenden Elbufer grüßen herüber die Burgen Scharfenberg und Siebeneichen, diese stolzen und ehrwürdigen Zeugen nationaler Geschichte und deutscher Baukunst und rufen uns dunkle Sagen und bunte Geschehnisse ins Gedächtnis. Dort fanden in noch schlimmeren Zeiten als den unseren Vertreter des geistigen Deutschlands gastfreundliche Aufnahme. Werden der Heimat die Tage innerer Erneuerung wiederkehren, wird das fratzenhafte Gesicht des heutigen Lebens wieder edleren Zügen weichen?

Abb. 23 Batzdorfer Totenhäuschen bei Meißen (Aus dem Heimatschutzarchiv)

Wer ließe sich nicht ergreifen von der eindrucksvollen Sprache uralter Kultur, wie sie in [Abb. 23] zu uns redet? Auch dieses »Batzdorfer Lusthaus« verdankt wohl seine Entstehung der Weinkultur, steht es doch dicht an Weinbergsfeldern auf dem linksseitigen Elbufer zwischen Scharfenberg und Siebeneichen, sagenumwoben und geheimnisvoll, »Totenhäuschen« nennt es auch der Volksmund. Nur seines weltversunkenen Eindrucks halber so benannt? Oder weiß das graue Gemäuer von menschlicher Tragik mehr zu raunen als uns überliefert wurde?

Abb. 24 Crassoscher Weinberg, Meißen
(Aus dem Heimatschutzarchiv)

Doch weiter im Zuge der Elbe ins rechtselbige Meißen selbst. Hier steht nahe der alten Steinbrücke von der Niederung gesehen kühn in das Blau des Himmels ragend ein kleines Bauwerk von eindrucksvollem Äußern ([Abb. 24]). Auf glattem, würfelförmigen Geschoßbau ruhen reichgeschwungene Renaissancegiebel derben Profils. Zum ehemaligen Crassoschen Weinberg gehört das Häuschen und wurde um 1600 errichtet, es entbehrt nicht des für Meißen so charakteristischen reichgeschmückten Portals mit den seitlichen Sitzplätzen.