Abb. 25 Rittergut Proschwitz, Weinbergshaus (Aus dem Heimatschutzarchiv)

Wer je auf schmuckem Elbschiff von Meißen stromabwärts fuhr, wird sich bestimmt des reizenden Lusthauses des Proschwitzer Rittergutes erinnern. Märchenhaft grüßt es vom rechten Bergufer herab, stolz in den Horizont gestellt, traulich mit zeltartiger Mansarde gleich einer Haube bedeckt und behäbig überwölbt von einem mächtigen Blätterdach: eine wahre Lust von einem Haus und dekorativ die Landschaft beherrschend wie selten eins. Unser Bildchen ([Abb. 25]) zeigt uns das Haus allerdings vom Berge aus gesehen und ohne den Weinberg, der sich terrassenförmig zum Elbufer hinabsenkt. Noch ist die Heimat reich an Stimmungswerten, die oft im Schlichten am stärksten auf uns einwirken und einstürmen. Daß von Künstlerhand oft versucht worden ist, im Bilde die eigenartige Stellung des Gebäudchens in der Landschaft zu verwerten, kann nicht wundernehmen, es sei hier nur an die glückliche Radierung des Meißner Malers Barth erinnert.

Abb. 26 Weinbergshaus Seußlitz (Aus dem Heimatschutzarchiv)

Unsere leider allzu beschränkte Bilderreihe beschließt als letzter Ausklang der Weinbergsherrlichkeit ein Winzerhäuschen, das oberhalb des prächtigen barocken Seußlitzer Schlosses erbaut wurde ([Abb. 26]). Wie bei einem guten Werk der Baukunst schließen sich die immer wiederholten Horizontalen der malerischen Steinmauern mit dem Rhythmus der sie durchkreuzenden vertikalen Weinstöcke und der steileinschneidenden Bergtreppe zu einer wohlabgewogenen Gesamtbildwirkung zusammen, und fast will es uns scheinen, als ob alle diese Mauerschichtungen zu nichts anderm ersonnen wurden, als auf den einen stolzen Trumpf auf Bergeshöhe, das Häuschen mit dem elegant geschwungenen Dach, feinsinnig vorzubereiten, steht es doch wie ein Ausrufezeichen in den Himmel gereckt und als wollte es sagen, freut Euch mit mir, noch ist Lust und Leben, trotz grimmiger Feinde und allen Wehleides, das Euch bedrückt!

Fußnote:

[1] Die inzwischen erfolgte Erneuerung hat leider unseren auf sie gesetzten Hoffnungen nicht entsprochen.

Herrensitze der Lößnitz

Von Oberstaatsarchivar Dr. Hans Beschorner