Zwar seinen Tod nicht sucht, jedoch ihn auch nicht scheut.«

Abb. 2 Wackerbarths Ruhe Blick auf das Herrenhaus vom Jakobstein
Aufnahme von Josef Ostermaier, Dresden-Blasewitz

Wackerbarthens Ruh! Ausruhen wollte hier der viel geplagte Hof-, Welt-, Staats- und Kriegsmann, dem Neide und der Mißgunst, die ihn so viel verfolgt hatten, aus dem Wege gehen. Daß »kein Fluch den Ort drückt«, bezieht sich offenbar auf das Gerede, das die Entstehung von Wackerbarths Ruhe mit der Ermordung des Dresdner Pastors Hahn durch den Trabanten Franz Laubler 1726 und der Hinrichtung des in die Sache mit verwickelten Kanoniers Gottfried Mittag in Verbindung brachte.

Abb. 3 Wackerbarths Ruhe Das Belvedere
Aufnahme von Josef Ostermaier, Dresden-Blasewitz

Abb. 4 Weinberge von Wackerbarths Ruhe
Aufnahme von Josef Ostermaier, Dresden-Blasewitz

Die Inschrift ist heute nicht mehr da. An ihrer Stelle stehen die Worte: »Menschengeschlechter, die ziehen vorüber wie die Schatten vor der Sonne.« Sie stammen von dem Großgroßneffen des Generalfeldmarschalls: August Ludwig von Wackerbarth, der das Grundstück 1809 von dem Bankherrn Christian Friedrich Freiherrn von Gregory kaufte. 1733, nach dem Tode des Generalfeldmarschalls, hatte es zunächst sein Adoptivsohn Graf Joseph Anton Gabaleon von Wackerbarth-Salmour besessen, der bekannte Mithelfer des Prinzen Friedrich Christian bei Beseitigung der Brühlschen Mißwirtschaft. Nach dessen Tode, 1761, aber hatte es oft seine Besitzer gewechselt. 1764 bis 1776 gehörte es der gräflich Rexschen Familie, 1776 bis 1789 der Gräfin Hohenthal, geborene von Rex, 1789 bis 1798 einem Kaufmann Hetzer aus Leipzig, von dem es an den genannten Freiherrn von Gregory überging. Der »Rauhgraf«, wie sich August Ludwig von Wackerbarth gern, aber ohne jede Berechtigung nannte, und damit sein Sonderlingswesen traf, übernahm den alten Wackerbarthschen Familienbesitz dem Rate folgend, den ihm seine Großmutter auf dem Sterbebette gegeben hatte. Er verband große Hoffnungen damit. Hier dachte er sein Leben zu genießen inmitten seiner auf weiten Reisen gesammelten Kunstschätze (namentlich Bilder), in eifriger schriftstellerischer Tätigkeit und in anregendem Verkehre mit geistig hochstehenden Menschen. Er brachte aber sich selbst um den ruhigen Genuß durch sein verschrobenes Wesen und seine Zügellosigkeit. Trotz seines großen Reichtums von Haus aus immer in Geldnöten, die namentlich durch die wahnwitzige Verfolgung einer in die Hunderte von Millionen gehenden Schuldforderung an die Rechtsnachfolger der Herzöge von Lauenburg hervorgerufen waren und 1811 sogar zum offenen Konkurs führten, mußte er seine geliebte Wackerbarths Ruhe zeitweise verkaufen oder vermieten. 1816 bis 1823 war sie infolgedessen Knabenerziehungsanstalt unter dem bekannten Jugendschriftsteller Carl Lang und seinem Schwiegersohn Dr. Carl Vogel (dem Vater des Afrikaforschers Eduard Vogel und der Schriftstellerin Elise Polko) und von 1835 ab Privat-Irrenanstalt, erst unter Dr. Bräunlich, dann unter Dr. Matthiae, der die Anstalt 1864 nach dem Lindenhof in Neu-Coswig verlegte (seit 1888 in Dr. Piersons Händen). Durch seine kostspieligen Liebhabereien, seinen Leichtsinn in Geldsachen, seine blinde Vertrauensseligkeit an den Bettelstab gebracht, starb dieser Sonderling mit dem goldenen Herzen, aber eisernen Starrsinn 1850 in der Nähe von Wackerbarths Ruhe.