Abb. 5 Wackerbarths Ruhe Blick auf das Herrenhaus vom Park aus
Aufnahme von P. Georg Schäfer, Dresden

Nun folgten wieder bis zum Jahre 1916, wo die ganze ausgedehnte Besitzung mit dem Haupthause, dem Belvedere, den zwei Wirtschaftsgebäuden, dem Traiteur, dem Böhmeschen Winzerhause und dem Jakobstein durch den heutigen kunstsinnigen Eigentümer zusammengekauft wurde, fortwährende Besitzwechsel. Sie trugen die Schuld daran, daß das Grundstück noch mehr herunterkam, als dies schon unter dem bedauernswerten Rauhgrafen der Fall gewesen war. Von der einstigen ländlichen Pracht, wie sie der Generalfeldmarschall, auch im Innern des Hauses, geschaffen hatte, war nicht mehr viel zu spüren. Zur Zeit ihres Schöpfers war Wackerbarths Ruhe zweifellos der schönste Familiensitz in der Lößnitz. In ihr spiegelte sich klar die Zeit August des Starken wieder mit ihrer Genußfreudigkeit und ihrem künstlerischen Geschmack.

Abb. 6 Wackerbarths Ruhe Blick auf das Herrenhaus vom Belvedere aus

Aufnahme von P. Georg Schäfer, Dresden

Abb. 7 Der Gartensaal in Wackerbarths Ruhe

Wieviel einfacher dagegen, deshalb aber in ihrer Eigenart nicht minder anziehend wirkt die Hoflößnitz, die sich Johann Georg I. 1650 von seinem Landbaumeister Ezechiel Eckhart bauen ließ. Mitten in die sonnigen Weinberge ist das einfache Fachwerkhaus mit hohem Walmdach gesetzt, das 1913 auf Veranlassung des leider nur kurze Zeit bestehenden Hoflößnitzvereins stilgerecht wiederhergestellt wurde und dabei auch zum größten Leidwesen mancher Lößnitzer und Lößnitzfreunde das erst 1899 aufgesetzte stilwidrige Blechtürmchen auf dem Dach und unten herum die störenden Balustraden verlor (vergleiche hierüber Högg in diesen Mitteilungen III, 1913, Seite 64 bis 66). Parkanlagen fehlten. Nur Weinberge und zwei Höfe gehörten dazu, der sogenannte Holzhof an der Grundstraße und oben der Herrenhof, von der Bergverwalterwohnung, dem geräumigen Preßgebäude (mit schönem Keller) und Schuppen nach dem Lößnitzgrunde zu flankiert (s. [Abbildungen 6] und [7]). Auf diesem Hofe, der später mehrfach, wenn auch nicht in der von August dem Starken geplanten großartigen Weise, umgestaltet und 1747 bis 1750 durch die große, von Pöpelmann entworfene dreihundertfünfundzwanzigstufige Treppe mit dem Spitzhause verbunden wurde, fanden die Aufzüge und ländlichen Lustbarkeiten (Ringelrennen mit dem Wassermännchen, Bauer-, Damen-Rennen, Hahneschlagen, Pferderennen nach der Gans, Sack-, Bettelmanns-, Schießkockeltanz und andere Tänze) statt, wenn der Hof, namentlich zur Weinlese, anwesend war und sich von dem fröhlichen Winzervölkchen huldigen ließ, wie dies unter anderem in den Dresdner Geschichtsblättern XIII (1904), Seite 209 bis 226, 239 bis 247, dazu noch XVIII (1909), Seite 30 bis 35, und in der Wissenschaftlichen Beilage der Leipziger Zeitung 1905 Nummer 142 und 143, Seite 565 bis 567 und 569 f., nach zeitgenössischen Quellen geschildert ist. Daselbst und in den »Bau- und Kunstdenkmälern des Königreichs Sachsen« XXVI (1904), Seite 136 bis 149, lese man auch die Beschreibung des Inneren nach, wie es sich heute noch dem Auge darbietet und aus alten Sachverzeichnissen vervollständigen läßt.

Aufnahme von P. Georg Schäfer, Dresden