Zimmermanns Karte zeigt noch ein anderes sprachlich so lehrreiches Beispiel: an der »Meisnischen stras« – der alten! – liegt »Schneeweisens Bres«, also die Weinpresse des Schneeweiß! In dem erwähnten Schriftstücke von 1627 wird sie oft zur genaueren Ortsbestimmung benutzt. Das Gelände muß Hofbedienten zugesagt haben; sie bewerben sich darum, »damit den Armen Gesellen zu fortstellung der geringen Heußlichen nahrung vnd beßerer erhaltung der Kleinen Kinderlein solcher vonn den trotzigen Bauern außgeschlagener vbriger Platz (er hatte den Serkowitzern zunächst nicht zugesagt!), der doch sonsten von andernn leuten ausgebeten werden dürffte, gleich andern Dienern vnd Rentherey Schreiben gnedigst bewilliget vnd Erblich eingereumt werden möge. Die Zinß vnd Landsteuer wollen sie Jedesmahl gehorsamblich abstatten …« Für sie, die Ortsfremden, wird nun auf einmal jene Presse zur »Weißen Preße im Zippell genant«! Wozu auch »schneeweiß« – weiß genügt! So mag mancher Name entstanden sein, den wir uns heute nicht mehr erklären können! –
Streiflichter in Verhältnisse, die jahrhundertelang das Leben der Bewohner der Lößnitz ganz wesentlich beeinflußt haben!
Der Untergang des Weinbaus
Von Prof. Dr. A. Naumann
O du weinfrohe Lößnitz! Vor vier Jahrzehnten noch grünten allüberall deine Rebenhöhen, mostvergnügte Menschen jubelten auf deinen gartengeschmückten Straßen, und manch »graue« Züge führten wackere Zecher heimwärts.
Winzerfeste wurden gefeiert, die Tausende natur- und weinbegeisterter Städter in deine gesegneten Gefilde führten. Das berühmteste Winzerfest fand statt am 25. Oktober des Jahres 1840. Es war ein vaterländisches Fest »in Verbindung mit einer Wein- und Traubenausstellung und Musterung,« wie es in der Denkschrift heißt. Das Bild des Winzerzuges ist von Prof. Moritz Retzsch entworfen, und dieses figurenreiche Erinnerungsblatt ([Abbildung 1]) ist noch in gar mancher Weinstube, sogar in farbiger Ausführung[2], als Wandschmuck zu finden.
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