Tatsache war, daß die von Oberförster Koch mit zahlreichen Hilfskräften und kostspieligen Bekämpfungsmitteln (Petroleum, Schwefelkohlenstoff) organisierte Abwehr des Schädlings kaum genügte, um die verseuchten Weinkulturflächen rechts der Elbe einigermaßen gründlich zu untersuchen, geschweige denn zu retten.

Bereits im Jahre 1886 wurde mit dem Kampf gegen den übermächtigen Schädling begonnen.

Woher aber war der Feind zu uns gekommen? War er schon seit Jahrhunderten bei uns heimisch? Fast mußte es so scheinen, wenn wir die Größe der Verheerung ermessen, welche die Reblaus nicht bloß bei uns, nein auch in allen Weinbau treibenden Gebieten Europas[3] angerichtet hatte. Nach allem, was wir bis jetzt nachprüfen konnten, ist dieser Schädling aus Nord-Amerika zu uns gelangt. Im Jahre 1865 wurde in der Provence die Reblaus zuerst auf dem europäischen Kontinent aufgefunden. Sie soll von Amerika aus in Englands große Weintreibereien gelangt und auf diesem Umweg auch in die Freilandkulturen des europäischen Festlandes gekommen sein. Nachdem sie ihren Vernichtungszug in den südlichen Ländern Europas begonnen, gelangte sie in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts auch zu uns nach Deutschland.

Zum Verständnis der zu schildernden Bekämpfungsmaßnahmen diene eine kurze Betrachtung der Lebensweise unseres Schädlings.

Abb. 2 Die Vernichterin des Lößnitzer Weinbaues: die Reblaus (Phylloxera vastatrix) in ihrer Entwicklung

Im Laufe der bereits erwähnten ungeschlechtlich erzeugten Generationen traten, vielleicht infolge besonderer Ernährung, mit Flügelstumpfen begabte Läuse auf, die man auf den schönen Namen »Nymphen« getauft hat ([Abb. 2a]). Aus dieser schon mit einer Art Taille versehenen Form entwickelt sich in warmen Sommern eine geflügelte Laus: Die Reblausfliege ([Abb. 2b]). Diese fliegt bei ruhigem Wetter auf benachbarte Berge und kann, vom Winde getrieben, Kilometerstrecken zurücklegen. Sie landet schließlich auf einem Weinblatt und legt dort wenige Eier von teils runder, teils ovaler Form. Aus diesen erst schlüpfen die eigentlichen »Geschlechtstiere« ([Abb. 2e]); aus den kleinen runden die Männchen, aus den größeren ovalen die Weibchen. Beide entbehren der Saugorgane, sind also bloße Geschlechtsmaschinen, die nur dem Geschäfte der Begattung obliegen. Das befruchtete Weibchen legt ein einziges, etwas dickschaligeres dunkles Winterei.

Aufnahme von P. Georg Schäfer, Dresden

Abb. 3 Nußbaum in der Hoflößnitz