[3] Frankreich: Champagne. Spanien: Barcelona. Schweiz: Zürich und Genf. Italien: Lago Maggiore, Calabrien. Österreich: Steiermark, Niederösterreich, Dalmatien. Ungarn: Tokaier Lagen. Kroatien 13,5%. Rußland: Kaukasus bei Batum. Rumänien: 31%. Serbien. Bulgarien. Türkei. Außerdem Süd-Amerika: Brasilien, Uruguay. Afrika: Kap. Australien.
[4] In den südlichen Ländern wird außer der Wurzelreblaus eine oberirdische Form: die Blattreblaus in kugeligen Blatt- und Rankengallen gefunden.
Die Rotalge Hildenbrandia rivularis (Liebm.) Bréb., ein ausgestorbenes (?) Naturdenkmal Sachsens
In dem 1922 erschienenen Heft 2 Band IX die Beiträge zur Naturdenkmalpflege (herausgegeben von der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen) berichtet A. v. Lingelsheim über diese bemerkenswerte Rotalge des Süßwassers, die in Deutschland nur an wenigen Stellen, so in einigen Bächen des Riesengebirges, im oberen Rhein, in der Werra und Fulda, im Dieksee in Holstein und nach einem Bericht von R. Wollny aus dem Jahre 1886 in einem felsigen Waldbach bei Niederlößnitz in Sachsen vorkommt. Die Alge ist ein Naturdenkmal von hervorragender Bedeutung; abgesehen von ihrem örtlich sehr beschränkten Vorkommen, ist sie »die einzig wirklich rote Süßwasserfloridee«; bei den übrigen herrscht Blaugrün oder Violettgrün vor. Infolgedessen zeigt das Bett der Gebirgsbäche, wo die Alge reichlich vorkommt, prachtvoll bräunlich »blutrote« Überzüge der Gerölle oder der anstehenden Felsen. Ferner aber gleicht sie in Wuchsform, Mikrostruktur und anderen Punkten ihrer nächsten Verwandten, Hildenbrandia rosea Kütz aus dem Atlantischen Ozean, welche in ganz ähnlicher Weise rote, krustige Beläge auf Steinen oder Muscheln bildet. An Hildenbrandia sehen wir somit sehr deutlich, daß bei ihr der Übergang in ein ganz anders geartetes Medium jedenfalls habituell nicht die geringsten umgestaltenden Einflüsse bewirkt hat. Der Geruch der absterbenden Alge gleicht völlig jenem eigenartig dumpfveilchenartigen »Seetanggeruch«, wie er den Bewohnern der Meeresküsten bekannt ist. Unsere Alge selbst ist ferner in den Subtropen (Nordafrika) und Tropen (Niederländisch Indien, Jamaica, Kongogebiet) vertreten.
Wir haben also in Hildenbrandia rivularis eine Pflanze vor uns, deren ganz nahe Verwandtschaft zu Meerespflanzen erwiesen ist, ohne daß es bisher gelungen wäre, diesen Zusammenhang aufzuklären. Aus der Beschaffenheit der verschiedenen Standorte hat v. Lingelsheim festgestellt, daß die Rotalge ihrem gewissen Wärmebedürfnis nach dem atlantischen Florenbezirk angehört. Sie stellt weniger Ansprüche an die chemische und optische Reinheit ihres Wohngewässers, vielmehr scheinen »physische Faktoren, wie festes Substrat zur dauernden Fixierung, eine gewisse Stärke der Wasserbewegung, sowie eine genügende Durchlüftung des Wassers« für ihr Leben ausschlaggebend zu sein. Weiter wurde festgestellt, daß die Alge den Schatten liebt und sich an belichteten Stellen auf die Unterseite des Gesteins usw. zurückzieht oder wohl gar abstirbt. Mit Vorliebe bewohnt sie tiefe Gewässer, so kommt sie im Gardasee noch in neunzig Meter Tiefe vor. Sie siedelt sich auf Gestein verschiedener Art an, meidet jedoch kalkhaltigen Boden. Ihre Vermehrung ist noch nicht aufgeklärt, v. Lingelsheim hält es jedoch für wahrscheinlich, daß sich losgelöste Thallusfäden anderwärts festsetzen und so der Verbreitung dienen.
Vor einiger Zeit durchsuchte ich das in Frage kommende sächsische Gebiet nach Hildenbrandia rivularis. Meine Bemühung war erfolglos und so glaube ich zunächst annehmen zu müssen, daß dieses Naturdenkmal bei uns ausgestorben ist. Ich vermute wohl mit Recht, daß unter dem felsigen Waldbach der »Lößnitzbach« zu verstehen ist. Da seine Quelle im Dippelsdorfer Teiche liegt, kommt das Wasser genügend durchwärmt in die kurze enge Talschlucht, so daß das Wasser den gestellten Ansprüchen genügen würde. Die einst dicht bewaldete, unwegsame Schlucht wird auch den von der Alge bevorzugten Schatten gespendet haben. Die Pflanzenseltenheit wurde im Jahre 1886 festgestellt. Welche Veränderung ist aber seit dieser Zeit im Lößnitzgrunde vorgegangen! Die Erbauung der Eisenbahn und der Promenadenwege brachte eine Lichtung des Tales mit sich. In den letzten Jahren zumal sind die einst bewaldeten Talhänge beim Kurhaus Friedewald völlig kahlgelegt worden. Auch die vielfache Bebauung des Tales mag das Aussterben beschleunigt haben. Beim Kurhaus und bei der Meierei Lößnitzgrund sind Gondelteiche angelegt worden, die der Lößnitzbach durchfließen muß. Selbst wenn sich die Alge im Oberlauf des Baches noch einige Zeit gehalten hätte, würde eine Neubesiedelung des Unterlaufs dadurch unmöglich geworden sein, da die in die Teiche gelangten Thallusfäden unter der Einwirkung des Lichtes und der mangelnden Durchlüftung des Wassers sicher zugrunde gegangen sind. Hildenbrandia rivularis ist also wahrscheinlich ein Opfer der in den letzten Jahrzehnten in den Lößnitzgrund getragenen »Kultur« geworden. Oder sollte die Rotalge doch noch in einem meiner Nachforschung entgangenen unscheinbaren Bächlein des Gebiets ein verstecktes Dasein fristen? Wer hilft suchen? Algen sind botanische Naturdenkmäler, deren Standortgeheimnisse der Öffentlichkeit wohl unbedenklich preisgegeben werden können; sie fallen Pflanzensammlern kaum zum Opfer, was man von anderen Gewächsen leider nicht immer behaupten kann.
v. Lingelsheim vermutet, daß die Rotalge wahrscheinlich auch an anderen Orten noch hin und wieder vorkommt und ein unbemerktes und unbekanntes Dasein fristet. Vielleicht hat auch Sachsen noch einen Standort, nachdem der Lößnitzgrund anscheinend dafür nicht mehr in Frage kommt.
Klengel.
Vom neuen Weinbau
Von Carl Pfeiffer, Hoflößnitz