Abb. 9 Haus »in der Sonne«, Oberlößnitz, des Architekten Dr. Hammitzsch
An der Bergstraße aber, also am Fuß und Anfang des Berges, finden wir eine ganze Reihe von kleineren Weinbergshäusern im Glanze der warmen Sonne und zwischen schönen alten Laubbäumen eingebettet. Vorüber am breit gelagerten Haus eines Sanitätsrates, mit barockem Dach und schönem Erker, dessen oberer Abschluß nicht mehr ganz »stimmt«, an dem »Haus in der Sonne«, des Architekten Dr. Hammitzsch ([Abb. 9]), mit achteckigem Mittelteil und schlichter Verbretterung – der kräftige gelbe Putz leuchtet warm darunter auf zwischen der steil auf das Haus zulaufenden Baumallee – und dem schlichten und doch so behaglich zwischen hohen Parkbäumen eingebetteten Haus Lorenz ([Abb. 10]), gelangen wir zu dem am Ende der Straße aufragenden Turmhaus oder Meinholdschen Weinberg mit interessantem, beschieferten Eckturm, dessen alter Eingang leider vermauert wurde, und auf dessen Turmspitze als Wetterfahne eine weibliche Figur, eine Traube in der Hand haltend, aufgestellt ist ([Abb. 11]).
Abb. 10 Haus Lorenz, Oberlößnitz, an der Bergstraße
Aufnahme von A. Richter, Radebeul
Dort aber an der Wegwende finden wir die prächtige Hoflößnitz, gruppiert um einen behäbigen Binnenhof und bestehend aus dem Mitte des siebzehnten Jahrhunderts errichteten Wohngebäude mit überaus reich ausgemalten Obergeschoßsälen und den hufeisenförmig gelagerten Wirtschaftsgebäuden, in denen nun eine gemütliche Weinstube eingerichtet ist, die in Sommershitze zum kühlen Trunk und bei Schneetreiben zum behaglichen Verweilen am breiten Kachelofen einlädt. Hier ist noch gut träumen vom ruhigen Glück vergangener Tage und der Beschaulichkeit der Vorfahren; freilich ihre Nöte hatten diese auch, und gar oft wird es ihnen nicht viel besser zumute gewesen sein als uns heute. Die Erinnerung an die Vergangenheit wird besonders lebhaft wachgerufen, kommen einem doch die Festlichkeiten in den Sinn, die hier veranstaltet wurden, wenn der Hof nach den Anstrengungen der Regierungsgeschäfte herauskam und ein fröhliches Treiben in der Hoflößnitz einsetzte ([Abb. 12]).
Abb. 11 Turmhaus, Oberlößnitz
Aufnahme von A. Richter, Radebeul
Und dann unter Benutzung einer langen, steilen Steintreppe hinauf zur Bergeshöhe, zum »Spitzhaus«, einst von eindrucksvollen Umrißlinien mit kühn geschwungener Dachhaube, jetzt freilich durch wenig glückliche Anbauten aus dem Jahre 1901 um den architektonischen Wert betrogen, aber doch hervorragend auf dem Bergrücken gelegen und weithin ins Tal grüßend. Auch dieses Bauwerk dient heute in seinem vergrößerten Umfang als Gaststätte.
Abb. 12 Hoflößnitz, Oberlößnitz
Aufnahme von A. Richter, Radebeul