Dabei warf sie mir etliche Schmuckschächtelchen auf den Tisch, dazu ein schweres Kettenarmband, eine Halskette mit einem schönen, alten Medaillon, einen schwarzen Beinschmuck und ein großes, kostbares Ametystkreuz, das sie einst von einer Gräfin von Lindwurm erhalten hatte. Ich glaubte nicht, daß die Dinge alle für mich bestimmt seien und ließ sie liegen. Da schrie die Mutter wieder: „Is dir leicht mei Sach nimma guat gnua? Bist leicht z’schö dazua, daß d’ was alts, was guats tragst?“

Da nahm ich rasch die Sachen vom Tisch, leerte eine hübsche Schatulle, in der ich Briefe liegen hatte, aus und tat alles hinein, indem ich sagte: „Was denken S’ denn, Mutter! Freili mag i alles! Und von Herzen ’gelt’s Gott dafür! Dös freut mi anders, daß i grad dös schönste kriagt hab! Dank schö, Mutter! ’gelt’s Gott!“

Da lief sie aus dem Zimmer und schlug krachend die Tür zu.

Ich hatte großes Mitleiden mit ihr und dachte, ob ich wohl auch einmal ein Mädchen bekäme und wie ich mit ihm sein wollte; doch bald verscheuchte ich diese Gedanken und trug meine Kostbarkeiten nach der neuen Wohnung, wo ich alles in die Kommode räumte. Danach ging ich zur Familie Hasler, wobei mir das Herz klopfte; doch sagten sie kein Wort wegen des Verdrusses, den wir gehabt. Sie luden mich ein, mit ihnen den Kaffee zu trinken, aber ich entgegnete, ich müsse erst daheim um Erlaubnis bitten.

Ich ging also gleich wieder nachhause und bat den Vater, der es mir zwar erlaubte, doch meinte, ich müsse schon auch die Mutter fragen. Dies tat ich, und da ich ohnehin auch noch zur Beicht mußte, ließ die Mutter mich gleich fort und sagte bloß: „Daß d’hoam kommst bis auf d’Nacht! Bringst Haslers mit, mir ham heut a Konzert!“

Nach dem Kaffee, etwa um fünf Uhr, brach ich auf und holte meinen Hochzeiter vom Geschäft ab, um mit ihm zur Beicht zu gehen. Er war wieder sehr ernst und redete nicht viel.

Nach der Beicht gingen wir wieder zu seinen Eltern, wo wir die alten Leute bereits in sonntäglicher Kleidung antrafen. Der Tisch in der Wohnstube war weiß gedeckt, ein Rosmarin prangte in der Mitte und eine große Torte mit der Aufschrift: „Dem Brautpaar“, stand daneben. Der Vater holte eine Flasche Wein herbei und die Mutter stellte die Gläser mit zitternder Hand dazu. Es war schon völlig dunkel, und im Zimmer verbreitete die altmodische Lampe ein behagliches Licht.

Da ertönte draußen im Hof Musik, und das Lied: „Nur einmal blüht im Jahr der Mai, nur einmal im Leben die Liebe“ wurde mit viel Gefühl auf einem Piston vorgetragen. Nun schenkte der alte Hasler die Gläser voll und mit herzlichen Worten wünschte er uns Glück; die Mutter hatte die Augen voll Tränen und gab uns ihren Segen, der Benno aber hatte mich an sich gezogen und schluchzte.

Da ergriff mich eine große Dankbarkeit gegen diese Menschen und ich dankte ihnen unter heftigem Weinen. Trotzdem fühlte ich mich so elend, als sei ich wieder am Grab meines Großvaters, und es befiel mich ein Zittern und Unwohlsein, und ehe man sich recht zu helfen wußte, war ich ohnmächtig geworden.

Als ich wieder zu mir kam, waren alle um mich besorgt, die Haslermutter aber fragte mich, ob ich öfter an solchen Zuständen leide. Ich sagte ihr, daß ich manches Mal auch ohne besonderen Anlaß mit solchen Ohnmachten zu kämpfen hätte. Da nahm sie mich beiseite in die Schlafstube und wollte ausführlich über meine Gesundheit berichtet sein: „Denn,“ sagte sie, „du kannst mir’s net verargen, daß i mi um mein’ Oanzign sorg.“