Als ich endlich fertig war, richtete ich noch die Öfen her, daß ich sie beim Einzug nur anzuzünden brauchte. Dann eilte ich heim, ohne noch zu den Haslerischen zu gehen; denn ich schämte mich sehr wegen der traurigen Szene am Tag vorher.

Als ich heimkam, trat ich mit freundlichem Gruß in die Küche und sagte: „So, jetz bin i ferti. Wenn S’ vielleicht Lust hätten, Mutter, daß Sie’s Eahna anschaun möchtn, tat’s mi freun!“

Ich bekam keine Antwort und wußte also, daß ich, wenn nicht abermals etwas Unliebsames vorkommen sollte, gehen mußte. Daher sagte ich bloß noch: „Gut Nacht!“ und ging dann zu Bett.

Am andern Tag wollte ich mein Geld von der Sparkasse abholen und kleidete mich daher schon früh an. Der Vater wollte mitgehen, und es mußte also die Mutter in die Schenke. Sie tat es, ohne ein Wort mit uns zu reden; nur als ich ihr Adieu sagte, rief sie mir nach: „Kannst glei dein Bräutigam ’s Brauthemad kaafa und a Myrtnsträußerl! Na gehst glei hoam!“

Ich hatte mir schon allerhand ausgedacht, was ich mir um die neunzig Mark, die mir von dem Geld aus der Floriansmühle noch geblieben waren, alles kaufen wollte; als ich aber heimkam, verlangte mir die Mutter das Geld sofort ab und sagte: „Dös Geld gibst her, na kaaf i dir an saubern Spiegelkasten drum.“

Obschon ich gerne dagegen gesprochen hätte, blieb ich doch stumm auf diese Rede; denn ich fürchtete, aufs neue den Zorn der Mutter zu erregen, wenn ich nicht zu allem ja sagte. Also ward ich auch dieses Geldes los, wie ich einst des meines Großvaters und des Hausls los geworden war.

Es ist ein alter Brauch, daß man den Vorabend einer Hochzeit mit einer kleinen Feier begeht, und nennt man diesen Abend den Polterabend.

Zu der Zeit meiner Verheiratung wußte ich über den Ursprung und die Bedeutung dieses Wortes noch nicht viel, doch schien mir der Name für meine Verhältnisse gar nicht so unrecht; denn die Mutter polterte an diesem Tag im ganzen Haus herum, fluchte, zeterte, zertrümmerte verschiedenes Geschirr, jagte die Küchenmagd aus dem Haus und prügelte meine Stiefbrüder, ohne daß man recht wußte, warum. Ich war deshalb sehr bedrückt und tat nichts, wovon ich vermeinte, daß es die Mutter erzürnen könnte, und hatte auch wirklich bis zum Nachmittag Ruhe.

Um zwei Uhr ging ich in die Wohnung hinauf, um meine kleinen Andenken und all die Kästlein und Schächtelchen, die Bilder und Büchelchen zusammenzupacken, die mir zu lieb waren, als daß ich sie hätte zurücklassen mögen. Auch die Mutter kam bald hinzu und warf mir manches hübsche und auch kostbare Stück hin, das sie nicht mehr mochte; doch brummte sie beständig vor sich hin und schrie mich plötzlich ganz unvermittelt an: „Hast es ja recht notwendi, daß d’heiratst! Hättst es ja nimmer aushalten könna dahoam! Aber wart nur, du wirst es scho sehgn, wia’s dir geht! Daß dir i nix guats wünsch, kannst dir denka, du undankbars Gschöpf! Kannt ma s’ so guat braucha und muaß ma fremde Leut haltn, während die gnädig Fräuln heirat und si auf die faule Haut flackt!“