Da stand ich auf, und die Haslermutter trat zu mir, küßte mich und sagte: „I wünsch dir Glück! Sei mei guats Töchterl!“ Und ganz langsam rollte eine Träne über das runzlige Gesicht. Dann beglückwünschte mich eins nach dem andern, die Kranzljungfern faßten die Schleppe meines Kleides, die Mutter legte mir eine kostbare, alte Goldkette um den Hals, die Haslerin steckte mir einen feinen Opalring an die Hand und große Opale in die Ohren; der Haslervater gab mir seinen Arm, und nun ging’s mit großer Feierlichkeit hinab in die festlich geschmückte Gaststube. Mein Hochzeiter stand schon mit dem prächtigen Brautbukett da und begrüßte mich mit einem Handkuß. Er gefiel mir in dem festlichen Gewand recht wohl, und ich empfand ganz plötzlich ein großes Verlangen, ihm um den Hals zu fallen und ihn zu küssen, doch die vielen Menschen, die uns von allen Seiten umgaben, ließen mich davon abstehen.

Nun setzten wir uns zum Frühstück; es wurden Bratwürste auf großen Porzellanplatten herumgereicht und man trank Märzenbier dazu. Während des Essens trat auch mein Vater herzu und gratulierte uns und übergab mir einen schönen Ring, daß ich ihn meinem Bräutigam anstecke. Und indes derselbe von allen Seiten beschaut und bewundert wurde, kam die Mutter und sagte: „Lieber Benno und Leni! I kann leider net mitfahrn in d’Kirch; denn i hab koa Aushilf kriagt zum Kochen. Und d’Hauptsach is ja do a guats Mahl nach dem Schreckn, net wahr!“

Und mit freundlichem Lächeln ging sie wieder hinaus in die Küche.

Die Haslerischen waren über diese Mitteilung gar nicht erfreut und konnten es nicht begreifen, daß wir nicht mehr darauf gedrungen hatten, die Mutter solle mitkommen. „Denn,“ meinte die Frau Hasler, „wann dö eigene Muatter net mitgeht in d’Kirch und für ihra Kind bet, na is mit’n Ehglück net weit her.“

Und sie ging hinaus und bat die Mutter dringend, doch mitzukommen.

Ich ließ sie gewähren, obwohl ich schon wußte, daß all ihr Bemühen vergeblich sei.

So war es auch. Die Haslerin kam bald mit hochrotem Kopf wieder herein, nickte etliche Male für sich wie zur Bestätigung und murmelte unverständliche Worte.

Da kam der Brettlhupfer, jener dienstbeflissene Mann, der den Wagenschlag öffnet, ein jedes aus der Gesellschaft in den bestimmten Wagen bringt, acht hat, daß kein Zylinderhut verdrückt, kein Kleid beschädigt und keine Schleppe in die Wagentür eingezwickt wird; der mit viel Grazie und wohlgesetzten Worten die Braut leitet und einem jeglichen sein Amt weist und sowohl am Standesamt als in der Kirche für die gute Ordnung sorgt. Er war in schwarzer Wichs, seine Lackschuhe und sein Zylinder glänzten, und Handschuhe und Halsbinde schimmerten in reinstem Weiß. Mit der Haltung eines Kavaliers stand er an der geöffneten Tür und sagte: „Verehrte Herrschaften, d’Wägn wärn da! Darf ich bitten?“

Und er nahm zuerst die Kranzljungfern vor und geleitete sie zu einem Wagen; dann kamen die Beiständer und mein ältester Bruder, hierauf die Schwester der alten Haslerin und meine Firmpatin, die Nanni, sowie die beiden Stiefschwestern meines Vaters. In dem vierten Wagen saß der Bräutigam und sein Vater, und im fünften endlich nahmen ich und die Haslermutter Platz.

Während der kurzen Fahrt zum Standesamt redeten wir nichts. Als wir vorfuhren, hatte sich eine kleine Menge Neugieriger, sowie eine Horde Kinder angesammelt, und während der Brettlhupfer sich eifrig umtat, uns die bei einer solchen Gelegenheit übliche Ordnung zu geben, konnte man aus dem Spalier der Gaffenden allerlei Bemerkungen hören: „Ah, der Breitigam is sauber!“ rief eine junge Köchin, die mit aufgestülpten Ärmeln dastand. „Wia nur der dö Molln mag, dö aschblonde!“