Der Benno war darüber so gekränkt, daß er ein ganz rotes Gesicht bekam und so ernst und geknickt dreinsah, daß die Verwandten, als sie nach etlichen Wochen die Bilder sahen, sich darüber lustig machten und meinten: „Aber Benno! Du schaugst ja auf dem Bildl aus, als obst zum Köpfa ganga warst, statt zum Heiratn!“

Als die Aufnahme gemacht war, kam wieder der Brettlhupfer und geleitete uns hinaus; doch zu meinem Staunen kam ich nun wieder in den Wagen meiner Schwiegermutter, während der Benno zu seinem Vater hineinstieg. Auf meine Frage, warum dies geschehen sei, sagte mir die Frau Hasler, daß ich vor Gott noch nicht Bennos Frau sei, deshalb dürfe ich auch noch nicht mit ihm zusammen fahren. Ich war es zufrieden und blieb während der übrigen Fahrt wieder schweigend.

Das hohe Portal unserer Pfarrkirche stand weit offen, und feierliches Orgelspiel empfing uns beim Eintritt in das Gotteshaus. Voran gingen die Verwandten, dann die Trauzeugen und zuletzt wir und die Brautjungfern.

Nur wenige Leute waren anwesend, und ich sah mich ein wenig um, ob nicht ein Bekanntes darunter wäre. Da sehe ich plötzlich hinter einem der mächtigen Pfeiler das verzerrte Gesicht meiner Mutter auftauchen; sie stand da ohne Hut, im Wirtschaftsgewand und in der weißen Schürze, nur ein leichtes Tuch um die Schultern gelegt und starrte mit glühenden Augen auf den Zug. Und wie sie mich erblickte, da streckte sie den Kopf weit vor. Ich konnte nicht mehr hinsehen und hing mich fest an den Arm meines Bräutigams, und es bemächtigte sich meiner eine solche Bewegung, daß ich ohne alle Fassung zu schluchzen begann und nicht aufhörte während der Trauung und der feierlichen Messe.

Die Verwandten hatten in den Chorstühlen neben dem Hochaltar Platz genommen; mein Bräutigam und ich knieten uns auf einen rotsammetenen Betstuhl, der vor dem Altar stand, während die Trauzeugen sich rechts und links von uns aufstellten.

Da trat der Pfarrer im reichen Chorhemd, angetan mit der weißen Stola, aus der Sakristei, und es begann die heilige Handlung. Nach einer ernsten Ansprache legte er dem Bräutigam die Frage vor: „Herr Benno Hasler, wollen Sie sich mit der Jungfrau Magdalena Christ in den heiligen Stand der Ehe begeben und darin verbleiben, bis der Tod Sie scheidet, so sprechen Sie ‚ja‘.“

Mit lautem, bestimmtem „Ja“ antwortete mein Verlobter, und nun kam die Frage an mich. Kaum vernehmlich und in Schluchzen fast erstickt war meine Antwort.

Nach dieser Ablegung des Ehegelübdes faßte der Priester unsere Hände, legte sie zusammen, wickelte seine Stola darum und machte unter weihevollen Gebetsformeln das Zeichen des heiligen Kreuzes darüber. Danach besprengte er uns mit Weihwasser und betete mit lauter Stimme, worauf er die Trauringe weihte. Unter abermaligen feierlichen Gebeten reichte er uns sodann dieselben, und wir steckten uns diese Symbole der unverbrüchlichen Treue und unwandelbarer Freundschaftsliebe an, worauf wir mit dem Priester das Paternoster beteten.

Damit war die eigentliche Trauung beendet, und der Pfarrer trat wieder in die Sakristei, um sich zur Messe zu bereiten.

Während derselben versuchte ich immer wieder meiner Bewegung Herr zu werden, doch gelang es mir nicht, und als unter der Kommunion des Priesters das Schubertsche Ave Maria ertönte, konnte ich mich nicht mehr fassen und weinte laut auf. Da flüsterte mir mein Bräutigam zornig zu: „Hör do auf mit dem Getrenz! Hättst ja grad naa sagn brauchn, wenn’s di so reut!“