Das brachte mich plötzlich wieder zu mir, und ich wurde still und das Gefühl einer kühlen Gleichgültigkeit kam über mich und verließ mich den ganzen Tag nicht mehr.
Nach dem Meßopfer sang der Chor das Tedeum, und der Priester erteilte uns mit aller Feierlichkeit den Brautsegen. Dies war eine große Ehre; denn derselbe wird sonst nur bei ganz großen, festlichen Hochzeiten gespendet.
Als wir uns zum Gehen ordneten und über die Stufen des Hochaltars hinabschritten, sah ich, daß inzwischen eine große Menge Bekannter und auch andere Neugierige gekommen waren; meine Mutter aber konnte ich nicht mehr erblicken. Sie war wohl schon früher nachhause geeilt, um für das Mahl zu sorgen.
Beim Wegfahren von der Kirche durften ich und mein Bräutigam in der eigentlichen Brautchaise Platz nehmen, und half er mir mit großer Ritterlichkeit beim Einsteigen. Er schlang auch gleich seinen Arm um mich und küßte mich wiederholt und fragte mit zärtlicher Stimme: „Kimmt’s dir net hart o, daß d’furt muaßt vo dahoam und mit mir geh?“
Ich antwortete mechanisch: „Naa.“
Da drückte er mich fest an sich und bat mich, ihn doch anzusehen: „Geh, schau mi halt a kloans bißl o und gib mir halt a Busserl!“
Auch das tat ich, doch ohne Wärme, ohne Leben, so daß dem Benno ganz angst wurde und er fragte: „Bist leicht krank, daß d’ so stad und wunderli bist? Warum redst denn nix?“
Ich blickte durch das Wagenfenster und sagte nur: „I bin net aufglegt!“
Da meinte er, ich hätte vielleicht Hunger und schmeichelte: „Hast halt no nix G’scheits z’essn g’habt, gel! Aber jatz wer’n ma glei g’holfn habn, wart nur, Weiberl! Jatz tuast amal z’erscht was essn, na trinkst a paar Glaserl Wei, und na werst sehgn, wia dir da d’Fröhlichkeit und d’Liab kimmt!“
Ich gab ihm nur ein halblautes „Hm hm“ zur Antwort und lehnte mich mit geschlossenen Augen in meinen Sitz zurück. Der Benno aber glaubte, ich wollte mich an ihn schmiegen und drückte mich stürmisch an sich.