Er sieht mich gar nicht, wie ich die Kinder aus ihren Bettlein reiße und das Kleinste aus der Wiege; tanzend zertrümmert er alles, was im Zimmer ist und singt dazu.
Also flüchteten wir uns barfuß und fast unbekleidet hinaus in den Schnee, und weinend hingen sich die Kinder an mich. Zitternd wankte ich vorwärts, und das Blut rann mir gleich einem Bächlein über die Füße und zeigte die Spur meiner Schritte.
Freundliche Nachbarn nahmen uns auf und veranlaßten auf der Polizeiwache, daß man den Wütenden bändigte und nach der psychiatrischen Klinik verbrachte.
Ein schweres Fieber folgte auf diese Nacht, und ich kämpfte lange mit dem Tod.
Als ich mich wieder besser fühlte, nahm ich mit vielem Dank Abschied von den guten Leuten und begab mich wieder in meine Wohnung. Hier erwartete mich neuer Schreck: die Möbel waren alle mit dem Siegel des Gerichtes versehen und gepfändet. Etliche Briefe, die ich im Kasten fand, klärten mich auf. Der Benno hatte, ohne daß ich es wußte, sein volles Vermögen und dazu mein ganzes Heiratsgut einem Freund, der Baumeister war, geliehen, und dieser war bankerott geworden. Er hatte anscheinend schon davon gewußt und war vielleicht auch durch den Verlust dieser fünfzigtausend Mark um seinen Verstand gekommen. Nun hatten unsere Lieferanten und auch der Hausherr zu Neujahr keine Bezahlung mehr erlangt, weshalb sie, da sie auch keine Antwort auf ihre Mahnungen erhielten, endlich zur Pfändung schritten. Die Hausverwalterin hatte die Schlüssel meiner Wohnung an jenem Abend von einem Schutzmann erhalten und öffnete, als der Gerichtsvollzieher kam.
Nur weniges verblieb mir; zum Glück hatte man mir einen kleinen Schrank mit Kinderwäsche gelassen, in dem auch meine Schmucksachen verwahrt lagen. Nun konnte ich wenigstens so viel Geld dafür bekommen, daß ich die Kinder bei fremden Leuten in Pflege zu geben und mir ein kleines Stüblein zu halten vermochte. Das Ringlein meines Vaters aber opferte ich im Herzogspital der Mutter Gottes.
Dies war in der Zeit des Faschings; auch der Schäfflertanz traf auf dieses Jahr und füllte die Taschen der Tänzer.
Um diese Zeit ging ich zu meiner Mutter und klagte ihr meine große Not und bat sie um einiges Geld, damit ich mir etliche Möbelstücke wieder auslösen könnte; denn der Hausherr hatte sich Verschiedenes behalten, indem er mir versprach, er wolle mir das gegen Bezahlung meiner Zinsschuld von sechzig Mark wiedergeben.
Wortlos hörte die Mutter mir zu. Als ich geendet, sagte sie: „I kann dir net helfa! I hab selber no Schuldn beim Bräu. Geh zu dö Haslerischen, dö san reicher wia i. Übrigens freuts mi, daß si mei Wunsch erfüllt hat; recht schlecht soll’s dir geh, weil’s du’s net aushalten hast könna dahoam!“
Dann rief sie den Vater aus der Schenke und sagte: „Gel Josef, mir können ihr nix gebn, weil ma selber nix habn wia Schuldn!“ worauf der Vater sich erst räusperte, dann halblaut wiederholte: „Naa, nix könna ma toa, mir habn selber Schuldn!“