Nun war das sechste Kind auf dem Wege, und kurz vor Weihnachten kam ich in die Wochen.

Mein Mann hatte um diese Zeit aufs neue ein wüstes Leben begonnen und saß oft Tag und Nacht im Weinhaus. Kam er dann nach Hause, prügelte er mich und die Kinder und zerschlug alles, was ihm gerade in die Hände kam.

Am Tage nach der Geburt dieses Kindes kam gegen Abend ein Freund meines Gatten und hatte mit ihm eine Unterredung, die sehr erregt schien; denn der Besuch ging nach kurzem Wortwechsel ohne Gruß, und der Benno schlug krachend hinter ihm die Türe zu. Ich rief ihn zu mir in die Schlafstube, doch kam er nicht und ging bald darauf fort, ohne sich von mir zu verabschieden.

Zwei Tage und eine Nacht blieb er weg und kam erst am heiligen Abend gegen neun Uhr heim. Ich erschrak heftig bei seinem Anblick; seine Kleider waren zerrissen und beschmutzt, sein Gesicht aufgedunsen und verzerrt, die Haare hingen ihm wirr um den Kopf, und die stieren, blutunterlaufenen Augen blickten gierig und lüstern nach mir.

Ich saß wie versteinert aufrecht in meinem Bett, als er mit dem zärtlichen Gruß zu mir trat: „Servus, Weibi; du bist aber sauber! Geh, laß mi eini zu dir!“

Bittend hob ich die Hände und sagte: „Was hast denn, Benno; woaßt denn net, daß ma r a kloans Deanderl kriagt ham! Jatz konnst do net zu mir! Gel, Benno, du verstehst mi scho!“

Aber er verstand mich nicht mehr. Rasch riß er seine Kleider ab und wollte zu mir, indem er mir alle erdenklichen Genüsse versprach.

Flehend setzte ich ihm nochmals die Unvernunft seines Begehrens auseinander, doch vergebens. Er fiel über mich her, und ich mußte alle Kraft daran setzen, mich seiner zu erwehren. Endlich gelang es mir, aus dem Bett zu entkommen, und eilig schlüpfte ich in meinen Unterrock und lief aus dem Zimmer.

Da höre ich plötzlich meine Kinder aufkreischen. Ich eile in ihre Schlafstube und sehe nun, wie der Benno mit gezücktem Stilet drinnen herumtanzt und nach der Melodie des Schäfflertanzes vor sich hinsingt:

„Hi müaßt’s sei! Daschtecha tua r i enk! Alle müaßt’s heunt hi sei!“