Ich erwiderte nichts und wollte den Tisch abräumen, während er ein Päcklein unzüchtiger Photographien aus der Tasche zog und betrachtete. Plötzlich suchte er mich in erwachendem Begehren zu sich auf das Sofa zu ziehen. Unsanft stieß ich ihn von mir weg und verwies ihm seine Unvernunft.
In dem Augenblick hörte ich meinen Buben weinen und ging zu ihm an die Wiege und beugte mich über das Bettlein, ihn mit leisen Worten zu beruhigen.
Da fühle ich plötzlich von rückwärts wie eine eiserne Klammer einen Arm um meinen Leib und fühle, wie der Benno mich fest in das Bettlein drückt und sein Eherecht ausübt. Verzweifelt suche ich mich seiner zu erwehren, und es gelingt mir wirklich für den Augenblick. Da packt ihn eine rasende Wut, und unter den gröbsten Schmähungen zerrt er mich an den Haaren herum, wirft mich zu Boden, tritt sein eigen Fleisch und Blut mit Füßen und versucht, mich zu erwürgen.
Auf mein lautes Hilfegeschrei stürzen Leute aus den Nachbarswohnungen herbei, man sprengt die Tür, und alle fallen über den sich wie besessen Gebärdenden her.
Auch sein Vater kam, und es geschah nun etwas, was mich noch heute erstaunt: Der alte Hasler faßte seinen Sohn vor all den Nachbarn am Genick, setzte ihn auf einen Stuhl, gab ihm ein paar tüchtige Ohrfeigen und stieß ihn sodann mit großer Gewalt zur Tür hinaus. Dies alles tat er ohne ein Wort; dann aber kehrte er sich an die Anwesenden und fragte grollend: „Hat no wer was verlora da herinne?“ worauf sie alle verschwanden.
Nun trat er zu mir; ich lehnte erschöpft an meinem Bett und bat um die Hebamme. Ohne ein Wort ging er, und schon nach einer halben Stunde brachte er sie mit.
In derselben Nacht gebar ich ein Mädchen und lag danach an die sechs Wochen im Kindbettfieber.
Seit diesem Vorfall mußte sich mein Mann sein eheliches Recht stets erzwingen; denn ich hatte alle Zuneigung zu ihm verloren und fürchtete ihn sehr. Trotzdem wurde ich noch viermal Mutter während dieser Ehe.
Bald nach dem dritten Kinde begannen auch Wohlstand und Glück von uns zu weichen. Mein Mann hatte durch seine Trunksucht alles das eingebüßt, was man sonst an ihm schätzte; auch ließ er sich in seiner Stellung allerlei zuschulden kommen und wurde schließlich entlassen. Seine Eltern waren darüber so erbittert, daß sie uns aus dem Haus jagten.
Wir zogen also um, und der Benno übernahm selber ein Geschäft. Es ging uns auch etliche Zeit wieder gut, und ich hatte Hoffnung, daß alles wieder recht würde, obschon ich nun dauernd kränkelte, da die Geburten meines vierten und fünften Kindes Totgeburten und sehr schwer gewesen waren.