Als ich sie in der Küche begrüßte, fragte sie nach kurzem „’ß Gott“, was ich wolle. Da berichtete ich ihr schluchzend mein Unglück und bat sie um Trost.

„So, war i jatz guat gnua zum trösten! Dös g’schieht dir grad recht, wenn’s dir schlecht geht; du hättst es aushaltn könna dahoam! Was geht mi dei Elend o! Geh zu dö Haslerischen, dös san jatz deine Leut! Mach nur, daß d’ ma weiter kommst!“

Da sagte ich nichts mehr und ging, und begab mich zu fremden Leuten, ihnen mein Leid zu klagen. Wie wohl taten mir da die Worte des Beileids und des Trostes, obgleich ich wußte, daß sie nicht von Herzen kamen, und ich nachher in allen Milch- und Kramerläden durchgehechelt und ausgerichtet wurde.

Mein Gatte hatte sich in der letzten Zeit immer mehr dem Trunk ergeben und kam oft nächtelang nicht nach Hause, um dann bei dem geringsten Anlaß zu wüten und mich zu mißhandeln.

Um Weihnachten dieses Jahres fühlte ich, daß meine Stunde da sei, und ging daher zu meiner Schwiegermutter und bat sie, den Buben, der schon seit Wochen an schwerem Keuchhusten krank lag, etliche Tage in Pflege zu nehmen. Sie versprach es gerne und war auch sonst freundlich, wofür ich ihr von Herzen dankte.

Am ersten Weihnachtstag kam ein junger, verlebt aussehender Mensch und begehrte den Benno. Ich rief ihn hinaus, und er erkannte in dem Fremden einen Schulkameraden und Freund, der inzwischen in Hamburg Kaffeehändler und ein reicher Mann geworden war. Hocherfreut lud er ihn ein, und nachdem er mir noch befohlen, ein festliches Essen zu bereiten, ging er mit dem Besuch zum Frühschoppen.

Ich hatte zum Glück allerlei Vorrat und richtete ein gutes Mahl.

Schon während des Kochens hatten leichte Wehen mir das Nahen meiner Stunde angezeigt; nun aber wurden sie stärker, und ich begann mich recht zu ängstigen, da es schon zwei Uhr war und mein Mann mit dem Besuch noch immer nicht kam. Ich lief zu einer Nachbarin und bat, sie möge mir die Frau Notacker holen. Bis diese kam, richtete ich die Schlafstube und wollte den Buben zu seiner Großmutter tragen, doch schlief er, und ich ließ ihn liegen.

Gegen fünf Uhr erschien die Hebamme und meinte, es sei noch zu früh; vor dem nächsten Tag könne man nicht auf das Kind rechnen. Sie ging also wieder mit dem Bemerken, sie sehe gegen neun Uhr abends noch einmal vorbei.

Kurz nach sechs Uhr kam der Benno allein heim und verlangte sogleich mit groben Worten zu essen. Ich machte ihm Vorwürfe, daß er mich umsonst mit dem Kochen noch so geplagt hätte, und daß meine Zeit da sei und ich niemand hätte, der mir beistehe. Mit rohen Schimpfworten verbat er sich mein Gejammer und verlangte Wein, obschon er stark betrunken war. Ich gab ihm eine Flasche; denn ich fürchtete ihn sehr in solchen Rauschzuständen. Dann ging ich in die Schlafstube, wo der Kleine eben wieder zu husten begann. Ich hob ihn auf und wickelte ihn frisch ein, wobei mein Körper von heftigen Wehen erschüttert wurde. Da bekam der arme Bub einen der furchtbaren Anfälle, und ich glaubte, er müsse ersticken; doch ging es vorüber, und ermattet lag er nun in meinem Arm. Ich bettete ihn wieder in die Wiege und ging hinaus zum Benno, ihm über das Kind zu berichten. Er hörte teilnahmslos zu und sagte dann kurz: „I geh auf d’Nacht no furt!“