Diese Ehe war so unglücklich, daß ich noch jetzt mich bedenke, ob nicht wirklich der Fluch, den meine Mutter mir am Hochzeitsmorgen zum Geleit mitgab, mit also furchtbarer Macht seine Wirkung während meiner ganzen Ehe übte, und ob nicht doch jene Klosterfrau, als sie mich warnte, wieder in die Welt zurückzukehren, von Gott begnadet war, das Schicksal vorauszusehen, welches mich heraußen erwartete.

Und, seltsam, gerade einige Tage nach der Geburt meines ersten Kindes traf ein Brief von ihr ein, in dem sie mir die Versicherung gab, meiner niemals im Gebete zu vergessen, und mich ermahnte, auch im tiefsten Leid und Unglück nicht zu verzagen, denn Gottes Hand möchte vielleicht mich strafen, daß ich damals nicht mein Leben ihm geopfert.

Später einmal, als ich ihr die Geburt eines Mädchens berichtete, bat sie mich, es recht gut zu erziehen; denn, meinte sie, vielleicht bringt es einmal dem Herrn das Opfer, das ich ihm ehemals verweigert.

Ich war in den letzten Wochen vor der Niederkunft im Gesicht recht alt und fleckig geworden und mußte daher manches bittere Wort vom Benno hören. Nun aber blühte ich sichtbar auf, und schon nach drei Wochen war ich wieder so verjüngt, daß mein Gatte aufs neue in heftiger Leidenschaft entbrannte und allen Vorstellungen zum Trotz mit Gewalt jene Schranke niedertrat, die eine weise Natur einer jeglichen Mutter, sogar den Tieren aufrichtet. Vergeblich wies ich ihm den Kleinen, wenn er sich an meiner Brust sättigte und flehte: „Geh, nimm do dein’ Buam net sei Nahrung! Laß mi do in Fried! Schau, i bin no krank!“

Aber seine Sinne begehrten, und da mußte der Verstand schweigen. So kam es, daß ich nach wenig Monaten aufs neue Mutterhoffnungen fühlte.

Bald begann ich zu kränkeln, und mit der Gesundheit schwand mein guter Humor, und ich wurde zur gealterten Frau, die vom Leben nichts mehr hofft.

Unsere Häuslichkeit bot weder Frieden noch Behagen; der Benno sah wohl, was er getan, hatte aber doch kein Einsehen. Am Tage gab es Streit, und am Abend suchte er alles Trübe und Mißliche in Leidenschaft zu ersticken.

Meine Schwiegereltern beklagten sich bitter über diese Zustände und schoben die Schuld auf meine Nachgiebigkeit und meinen Leichtsinn. Darob ward ich recht erbittert und mied sie von nun an.

Meine Eltern hatten schon bald nach meiner Heirat sich mit den Haslerischen verfeindet, und ich durfte deshalb längst nicht mehr zu ihnen gehen, wenn ich nicht eines Auftritts mit Benno gewärtig sein wollte. Nun aber war das Verlangen nach der Mutter so stark in mir, daß ich alles vergaß und mich aufmachte und zu ihr ging.