Nachdem die Frau Baumeister die Einladung des Großvaters, bei uns zu übernachten, ausgeschlagen und sich nach einem Gasthof begeben hatte, wollte die Großmutter mich ausziehen; aber sie mußte mich erst in ein Schaff mit Wasser setzen, bevor sie die an den Wunden klebenden Wäschestücke vom Körper lösen konnte. Als ich endlich nackt vor ihnen stand, geriet der Großvater vor Zorn ganz außer sich und schrie, daß alles zitterte: „Dös muaß ma büaßn, dös Weibsbild, dös verfluachte! Oonagln tua i’s! Aufhänga tua i’s! Umbringa tua i’s!“

Nach dem Bad wurde ich mit sauberen Linnen abgetrocknet und die Großmutter holte den Salbtiegel und begann meinen „Wehdam einzuschmierbn“. Der Großvater aber nahm die Kinderstup und stäubte, finster vor sich hingrollend, mit dem Pudermehl meinen Rücken, die Arme und Beine ein, während der Hausl mit weit hinter sich hinausgespreizten Armen in der Stube auf und ab schritt und nur von Zeit zu Zeit den Kopf schüttelte oder ausspuckte.

Andern Tags in der Früh holte der Großvater den Bader, der mir überall, wo es vonnöten war, ein Pflasterl auflegte und dafür sorgte, daß möglichst Viele die Begebenheit inne wurden. Die Großmutter aber mußte des Vaters Feiertagsgewand herrichten; denn er wollte noch am Vormittag in die Stadt fahren. Ehe er fortging, sagte ich ihm noch den Grund, warum die Mutter mich so gestraft; doch erwiderte er aufs neue erzürnt nur: „Dös is gleich! So was redn alle Kinder amal; dös tuat a jeds Kind amal. Dös is dös G’fahrlicha no lang net!“

Als er von München zurückkam, sprach er, wie das so seine Art war, mit keinem Wort mehr von der Sache; aber ich durfte wieder ein ganzes Jahr bei den Großeltern bleiben.

Im September dieses Jahres war im Dorf das große Haberfeldtreiben; kurz vorher starb unser Hausl ganz plötzlich und ohne irgend eine Vorbereitung.

Es war ein recht schwüler Augusttag gewesen und der Hausl hatte schon seit dem Morgen über die Hitze und seinen großen Durst gejammert; doch reute ihn immer wieder das Geld zu einem Trunk Bier. Am End aber konnte es die Großmutter nicht mehr mit ansehen und sagte: „Geh, Hausl, laß dir halt vo da Lena a Bier holn! Wenn di’s Geld gar a so reut, na zahl’s halt i!“

Da fühlte er sich doch in seinem Stolz gekränkt und sagte: „In Gott’s Nam’, Handschuasterin, laßt halt a Halbe holn!“

Mit diesen Worten schlürfte er in seine Kammer, riegelte hinter sich zu und brachte nach einer geraumen Weile die paar Kreuzer heraus.

Da legte die Großmutter noch ein Zehnerl darauf und sagte zu mir: „Lenei, holst glei a Maß, na derfa ma aa amal trinka.“

Als ich dann den vollen Krug vor ihn hinstellte, brummte er ärgerlich: „Warum habt’s denn enka Bier net in an andern G’schirr g’holt! Woaß ma net, was oan zuaghört und was net!“