Lange muß ich so dagelegen sein; denn kaum hatte ich wieder zu arbeiten begonnen, schlug es zwei Uhr. Ich war vor Schrecken ganz ratlos, denn ich hörte die Mutter kommen. Als sie sah, wie wenig ich gearbeitet hatte, schrie sie: „Was, du bist no net ferti! Ja, da is ja no net amal richti o’g’fangt! Du willst mi, scheint’s, zum Narren haltn, du Kanallje!“ Dabei trat sie mich mit Füßen und riß mich an den Haaren in die Höhe.

Mühsam fing ich wieder an zu arbeiten, während die Mutter an den Waschtisch gegangen war und sah, daß ich das Wasser noch nicht ausgeleert hatte. Da schrie sie: „Ja, was is denn dös! Net amal d’Waschschüssel hat s’ ausg’leert und a frisch Wasser reitragen!“

„Ja mei, i hab ma’s ja net z’tragen traut, die teure Schüssel, weil mi alle Augenblick der Schwindel anpackt.“

„Was Schwindel! Dir treib i dein’ Schwindel aus. Sofort leerst die Schüssel aus! I möcht wissen, für was ma dir z’fressn gibt, du langhaxats G’stell!“ rief sie und stieß mich an den Waschtisch.

Ängstlich faßte ich die schöne Schüssel, die von zarter, himmelblauer Farbe war, mit einem goldenen Rand, und eine Muschel darstellte. Im Innern war ein Bild, das zwei Mädchen in fremder Tracht zeigte, die am Meeresstrand standen und einen in einem Segelboot sitzenden Burschen aus flachen Schalen mit Wasser bespritzten. Den Krug schmückte eine ähnliche Szene; das Geschirr war alt und kostbar und der Name des Künstlers stand darauf geschrieben.

Schwankend trug ich also die Schüssel durch das Zimmer, als ich plötzlich einen Stoß verspürte, worauf ich zu Boden stürzte. Die Mutter hatte es getan; denn ich war ihr zu langsam gegangen.

Starr blickte ich erst auf die Wasserlake, dann auf die Scherben und vergaß, aufzustehen, bis mich die Mutter mit dem Ochsenfiesel des Vaters daran erinnerte.

Eine halbe Stunde später, als ich, die blutigen Striemen an meinem Körper betrachtend und vor Schmerzen an Brust und Rücken stöhnend, bemüht war, das Unheil wieder gut zu machen, ging die Mutter fort mit der Drohung: „Dawerfa tua i di, wenn i net die gleiche Schüssel kriag!“

Ich hielt das letztere für ausgeschlossen bei der Kostbarkeit derselben und zog deshalb meinen Regenmantel an und schlich mich, nachdem ich aus meiner Sparbüchse noch etwas Geld zu mir gesteckt hatte, davon.

Planlos und ohne an etwas zu denken, lief ich durch die Nymphenburger Straße hinaus über Laim und befand mich endlich auf der Straße, die nach Großhadern führt. Die Sonne war schon im Untergehen und über den Feldern stand ein leichter Nebel; denn es war schon im Spätsommer.