Ich blieb stehen und sah mich um. Da durchfuhr mich ein kalter Schauer, und als ich weiter gehen wollte, wurde mir schon nach wenigen Schritten so übel, daß ich mich erbrechen mußte und danach ohnmächtig auf der Landstraße hinfiel.

Spät abends fand mich ein Bauer, der Milch nach der Stadt gefahren hatte und jetzt auf dem Heimweg war. Der hob mich auf und brachte mich mit seinem Fuhrwerk nach Großhadern und lud mich bei einem großen Wirtshaus ab. Die Wirtin brachte mich freundlich zu Bett und befahl einer alten Frau, daß sie die Nacht über bei mir bleibe. Sie selbst kam am andern Tag und fragte mich mitleidig, wo ich in diesem Zustand denn herkomme oder hinwolle. Da erzählte ich ihr mein ganzes Unglück und bat sie, sie solle mich doch bei sich behalten, ich sei eine Wirtstochter und könne ihr viel helfen.

„Ja, mei liabs Kind,“ meinte die gute Frau, „deine Leut wer’n halt recht Sorg um di habn und di wieder z’rückverlanga; denn dös kann do net sei, daß a Muatter so schlecht is.“

Weinend wiederholte ich meine Bitte und beruhigte mich erst, als sie mir versprach, mich in ihren Dienst zu nehmen: „Aba z’erscht muaßt wieder g’sund wer’n. Drum bleibst heut lieber no liegn. Vielleicht kann ma morgn mehra sagn.“

Gegen Abend hielt ich es nicht mehr im Bett aus und ging zu der Wirtin in die Küche und fragte sie, ob ich ihr was helfen könnte.

„Ja mei, Kind, in dem Zuastand! Sitz di liaber ins Nebenzimmer und iß was G’scheits. Du schaust ja aus wie inser liaber Herr am Kreuz!“ Damit nahm sie mich bei der Hand und führte mich ins Nebenzimmer, wo an einem Tisch fünf oder sechs Herren beisammen saßen und mich verwundert ansahen.

„Wen bringen S’ denn da, Frau Obermeier? Dös is g’wiß a Basl,“ fragte einer, während ein anderer hinzufügte: „Jess Maria, is dös Madl kasi! Is ’leicht krank?“

„Ja mei, Herr Oberförster,“ sagte die Wirtin, „dös is a g’spaßige G’schicht!“ und sie erzählte die Sache den Herren, von denen einer der Bürgermeister, ein anderer der Arzt und ein dritter der Herr Benefiziat war.

Nachdem die Wirtin meine Geschichte erzählt hatte, bestürmten sie mich mit allen möglichen Fragen; doch der Arzt sagte: „Laßt’s dem armen Kind sei Ruh, meine Herrn! Ma sieht’s ja auf den ersten Blick, daß ’s schwerkrank is ... Geh amal her, Fräulein, und laß dir in’n Hals neischaun! ... Ach, herrjesses,“ schrie er da, „wie schaut’s da drin aus, und so ham s’ di rumlaufa und arbat’n lassen. A so a Bagasch g’hört do scho glei o’zoagt!“

„Und sie möcht zu mir in Dienst gehn!“ rief die Wirtin dazwischen.