„Sonst nix mehr,“ schrie der Bürgermeister, „ins Krankenhaus g’hörst! Net wahr, Herr Doktor?“
„Allerdings wär’s das beste, denn es ist nicht ausgeschlossen, daß das Mädel a starke Lungenentzündung kriagt auf dö Strapazen.“
Da sagte der Herr Benefiziat: „Wie heißt du denn eigentlich und woher bist du?“
Als ich es ihm gesagt, fragte er weiter: „Moanst wirkli, daß di dei Muatter totschlagt?“
„Ja, i glaab scho; denn halbert umbracht hat s’ mi a so scho.“
Da lachten sie alle, bis der Herr Benefiziat wieder ganz ernst fortfuhr: „Es ist doch a Sünd und a Schand, wie heutzutag mit den armen, ledigen Kindern umgegangen wird. Z’erscht setzt ma’s her, dann gehn s’ oan im Weg um. So ein Weibsbild g’hörat doch schon an die Zehen aufg’hängt und mit Brennesseln g’haut!“
„Ganz recht, Herr Benefiziat, früher hat ma aufgramt mit solchene Leut, aber heutzutag baun s’ eahna ja extrige Häuser, daß sie s’ leichter auf d’Welt bringa eahnane armen G’schöpferln!“ rief der Tierarzt, und der Bürgermeister sagte: „Jetzt ham’s mir da! Was tean jetzt mir damit? Uns geht’s eigentlich nix o, schiabt’s es nur der Münchner G’meinde zua!“
„Ganz recht, Herr Bürgermeister,“ sagte der Oberförster, „für dös arme Deanderl is am besten, wenn’s z’Münka ins Krankenhaus geht, bis g’sund is. D’G’meinde soll’s nur zahln. Die ham mehra wie mir.“
Ich hatte heftig zu weinen begonnen, so daß die Wirtin rief: „Aber meine Herren, dös is scho net recht, daß d’s ma dem arma Deanderl an solchen Schrecken einjagt’s. Laßt ’s es do wenigstens mit Ruah essen!“ Damit führte sie mich an den Tisch und gab mir den Löffel in die Hand, und ich mußte von dem Kalbslüngerl, das die Kellnerin hingestellt hatte, essen. Ich brachte aber vor Weinen und Halsweh nichts hinunter. Die Wirtin kehrte wieder in ihre Küche zurück, während die Herren sich lebhaft über mich unterhielten.
Nach einer Weile stand der Herr Benefiziat auf, setzte sich zu mir und gab mir folgenden Rat: „Liabs Kind, i moan, ’s wär’s G’scheitste, du tätst morgen früh von Pasing nach der Stadt fahren, dort auf die Polizei gehen, die ganze G’schicht anzeigen und dich in ein Krankenhaus schaffen lassen. Nachher bist gut aufg’hoben und deiner Mutter schiab’n s’ hoffentlich an Riegel vor ihre Brutalitäten.“