Ich gab ihm keine Antwort und weinte nur. Die Wirtin aber brachte mich darauf wieder ins Bett und erwiderte mir auf meine Frage, was ich schuldig sei: „An Vergelt’s Gott und an B’suach, wann’s dir amal guat geht.“
Am andern Morgen stand ich sehr früh auf und ein Milchfuhrwerk nahm mich wieder mit nach Pasing. Von da fuhr ich mit der Bahn nach München.
Als ich ratlos vor dem Sterngarten am Bahnhofplatz stand und nicht wußte, wohin ich mich wenden sollte, begegnete mir der Sohn einer im Haus meiner Eltern wohnenden Familie und sagte mir: „Geh fei net hoam, Leni! Dei Muatter is in der größten Wut. Die ganze Nachbarschaft hetzt s’ über di auf und sagt dir alles Schlechte nach. Durch d’Gendarmerie laßt s’ di scho überall suacha.“
Da begann ich zu weinen und fragte ihn um Rat; denn wir hatten uns sehr gern. Er meinte auch, ins Krankenhaus gehen, wäre das Gescheiteste; doch zuvor solle ich auf die Polizei, daß man nicht weiter nach mir suche. Er begleitete mich dann auch dorthin und ging darauf in sein Geschäft. Ich aber trat in die Einfahrt des Polizeigebäudes und fragte den Gendarm, der dort auf Posten stand: „Sie, entschuldigen S’, bitt schön, wo is denn da dös Zimmer, wo verlorengangane Personen o’g’meldt wer’n?“
Er lachte herzlich und gab mir zur Antwort: „San vielleicht Sie verloren ganga, schön’s Fräulein? Dann melden S’ Eahna parterre, ganz hinten auf Zimmer Nummro sieben.“
Dort fragte man mich nach meinem Begehr.
„Entschuldigen S’, is bei Ihnen ein junges Mädchen angemeldet, dös wo verlorenganga is, oder vielmehr, dös wo davog’laafa is? Wissen S’, i bin davo von dahoam, weil mi mei Muatter sunst derworfa hätt, weil i d’Waschschüssel derschlagn hab und Diphtherie hab.“
Lächelnd führte mich der Beamte in das Zimmer des Polizeiarztes, und als ich dem meine ganze Geschichte erzählt hatte, untersuchte er mich und sagte darauf: „Herr Rat, ich bitte Sie, lassen Sie die Ärmste nach dem Krankenhaus schaffen. Benachrichtigen Sie jedoch die Angehörigen nicht davon. Recherchieren Sie vielmehr, ob solche Sachen bei dieser Frau öfter vorkommen; denn so etwas gehört exemplarisch bestraft.“
Hierauf mußte ich mich ausziehen und ihnen die Beulen und Striemen an meinem Körper zeigen. Als der Arzt einen großen grünlichen Fleck an meiner linken Brust bemerkte, rief er: „Unverantwortlich! Ein weibliches Wesen so zu mißhandeln! Die Megäre denkt gar nicht, welche Folgen das haben kann!“
Danach wurde ich in das Krankenhaus an der Nußbaumstraße geschafft, wo ich alsbald in ein heftiges Fieber verfiel und an einer schweren Lungenentzündung erkrankte.