Als sie nun das erstemal von der Großmutter gemolken wurde, gab auch sie nur ein paar Liter Milch. Da meinte man, es komme von der Anstrengung; aber es wurde nicht besser. Als sie nach ungefähr einer Woche nicht mehr als fünf Liter Milch gab, während wir sonst von unsern Kühen zehn bis zwölf Liter hatten, ward die Großmutter sehr ärgerlich und fing an, mit dem Großvater zu streiten und sagte: „Da hättst aa nix Bessers toa könna, als wie dös Viech daher bringa; hättst halt’s Bräundl g’haltn. Bringst da so an Ranka daher, der oan’s Fuada wegfrißt und für nix guat is.“

Da wurde der Großvater zornig: „Sei stad! Was vastehst denn du, du Rindviech! Dös ko i da Kuah net o’sehgn, daß koa Milli gibt bei so an Trumm Euter. Na weis i’s halt wieder furt in Gott’snam’, daß d’ an Ruah gibst, alt’s Rindviech.“

Darauf erwiderte die Großmutter nichts, sondern ging in die Kuchl hinaus.

Als sie aber beim Nachtessen das Tischgebet sprach, fing sie plötzlich beim Vaterunser an ganz laut zu schluchzen und lief hinaus. Da sprach ich das Gebet zu Ende und sagte darauf zum Großvater: „Gel, jetz hast es, weilst so grob bist. Warum greinst denn a so, wo’s es net braucht! Mei Großmuatta is brav, und balst es no amal schimpfst, nacha mag i di nimma!“

Darauf sagte der Hausl, der auch mit uns aß: „Woaßt, Handschuasta, dös sell muaß i selm sagn; da hast an schlechtn Tausch g’macht. Da hat d’ Handschuasterin scho recht, und i moan, dösmal warst du’s Rindviech g’wen.“

Diese Rede freute mich, und ich ließ das Essen stehen, lief zur Großmutter in die Küche, setzte mich auf ihren Schoß und sagte: „Großmuatterl, sei stad und woan nimma. Der Großvata is dir scho wieda guat und der Hausl sagt’s aa, daß der Großvata ’s Rindviech is. Jatz weist er d’ Kuah wieder furt und kaaft dir a andere. Und i hab’s eahm scho g’sagt, er darf di nimma ausgreina.“

Da nahm sie mich um den Hals und sagte: „Du bist halt mei Brave, gel Lenei.“

Darauf aß ich mit ihr draußen in der Küche zur Nacht, zog sie danach wieder in die Stube und rief: „So Großvata, jatz is dir d’ Großmuatta wieda guat und woant nimma; jatz muaßt aba versprecha, daß d’ es wieda magst und nimma greinst.“

Da lachte er: „No, in Gottsnam, Hex, na mag i ’s halt wieda.“

In der Nacht hab ich zwischen ihnen beiden geschlafen und hab ein jedes bei der Hand genommen und ihnen die Hände gedrückt und sie festgehalten.