Nach dieser geistlichen Lesung und Betrachtung gingen wir in den Speisesaal zum Frühstück, das in einer Tasse dünnen Kaffees und einem Brötchen bestand. Meine Hüterin legte wieder einen Zettel vor mich hin, des Inhalts, daß es Jesus recht wohlgefällig sei, wenn man freiwillig auf das Brot verzichte, weshalb ich nur die Hälfte davon aß.
Nun hatten wir der Frühmesse in der Klosterkapelle beizuwohnen und danach versammelten wir uns wieder im Saal der Kandidatur, und jedes holte sich ein Buch, um zu lernen.
Inzwischen schlug es acht Uhr, und herein traten drei Schwestern, die Lehrerinnen der Kandidatur, gefolgt von der Präfektin, die mich, nachdem wir beim Glockenschlag um eine gute Sterbstunde gefleht, setzen hieß und nun begann, mich in allem zu prüfen, was ich als Lehramtsschülerin wissen oder lernen mußte. Sie gesellte mich danach dem zweiten Kurs zu und wies mir meinen Platz an, worauf der Unterricht begann. Der erste Kurs schrieb an einem Aufsatz, wir rechneten schriftlich, und der dritte Kurs hatte Unterricht in Grammatik. Die höheren Klassen hatten ihre eigenen kleinen Studierzimmer und diese waren nur durch Glastüren von unserm Saal getrennt.
Um neun Uhr versammelten sich von neuem alle vor dem Altar, knieten nieder und beteten laut ein Stundengebet. Kaum hatten wir uns wieder erhoben, als abermals von der Pfarrkirche die Glocke zur Wandlung läutete und wir uns wiederum auf die Knie warfen und anbeteten.
Nach einer kurzen Weile rief man uns zur Vesper, und jede bekam ein Krüglein Bier und ein Stück schwarzes Brot, wobei ich sah, daß wieder viele die Hälfte des Brotes zurück in den Korb wandern ließen; doch weiß ich nicht, ob dies zur Abtötung oder aus Abneigung gegen das rauhe Gebäck geschah.
Bald, nachdem der Unterricht wieder begonnen hatte, kam die Präfektin und befahl meinem Schutzengel, mich ins Bad zu führen.
Durch lange Gänge, vorüber an Männer- und Frauenabteilen, aus denen wüster Lärm drang, hinab über alte, morsche Stiegen ging es, dann traten wir in einen moderigen Kellerraum, wo etwa zehn Männer Körbe flochten. Wir eilten an ihnen vorüber und kamen durch die mit ekelhaftem Gestank erfüllte Waschküche, in der etliche Kretinen aus einer übelriechenden Lauge graue Wäschestücke zogen, endlich in ein düsteres Kämmerlein, das man Bad nannte, und in dem zwei alte Badewannen, durch einen Vorhang getrennt, an der Wand standen.
Wir mußten uns erst das heiße Wasser aus der Waschküche holen, und nachdem wir unsere Wannen gefüllt und unsere Tücher und Wäsche auf einen neben der Wanne stehenden Stuhl gelegt hatten, begann mein Schutzgeist mir zu zeigen, wie man sich baden müsse, ohne die Unschuld zu verletzen.
Ich durfte mich nicht ganz entkleiden, sondern mußte in Hemd und Strümpfen in die Wanne steigen. Hier konnte ich mich meiner Strümpfe entledigen, während das Hemd meiner Blöße als Bedeckung blieb und tüchtig eingeseift wurde. Darauf strich man einige Male mit den Händen darüber hin; denn unter dem Hemd durfte der Leib nicht berührt werden. Nur Gesicht und Hals wurde gründlich gewaschen.
Währenddem beteten wir laut den schmerzhaften Rosenkranz, auf daß der, der für uns Blut geschwitzt hat und für uns gegeißelt ist worden, unser Herz vor jedem sinnlichen Gedanken bewahre.