„Je, eahm schaugt’s o!“ rief da der Bursche, welcher die Markwecken brachte. „Dös kannt aa no was sei! Meine Veigerl ham a Zwanzgerl kost und dö Rosen, wo i da Freiln Leni gestern verehrt hab, fünfazwanzg Pfenning!“
„So und i nacha, bin i da Garneamand?“ schrie jetzt der Bretzlbeck. „Denk i net vielleicht sogar bei der Nacht ans Freiln Lenerl, indem i ihr die feinsten Bretzn bach?“
„Zu dene wo’st an Toag z’erscht stehln muaßt!“ riefen da die andern, und im Nu entspann sich ein heißer Kampf um den Vorrang bei mir, der sich bis auf die Straße fortsetzte. Ich aber sah ihnen lachend zu und verzehrte gemächlich die Bretzl zu meinem Kaffee, steckte das Veigerl an die Brust und legte die Künstlerkarte in eine alte Zigarrenkiste zu den andern. Doch versäumte ich nicht, meine Erfolge dem Milchmädchen, das uns täglich den Kaffeerahm und die Knödlmilch brachte, zu weisen: „Da schaug her, Rosl, die Präsenter, die i heut scho wieder kriagt hab von dö Becka!“ worauf sie ingrimmig und bissig erwiderte: „Dös is koa Kunststückl, wenn ma si so herrichtn ko wie du! I muß mit meine Millikübel rumlaafa und du stehst im Spitznschürzerl vor dein Herd!“
Und tiefgekränkt ging sie; denn nicht mit Unrecht hatte sie über mich zu klagen: während der Zeit, die ich im Kloster zugebracht, hatte sie fest über die drei Bäckerherzen regiert, und nun, da ich wieder daheim war, wollte keiner mehr von ihr was wissen, obgleich sie ein sehr hübsches, dunkelhaariges Mädchen von einnehmender Figur und recht munter war.
Mittlerweile war es fast acht Uhr geworden, und ich richtete nun die Schenke, zählte die Bierzeichen für die Kellnerin und zapfte an. Währenddessen kam die Mutter aus der Wohnung und der Vater aus dem Schlachthaus und bald füllte sich das Lokal mit Gästen. Es waren fast lauter Arbeiter: Maurer, Steinmetzen, Schlosser, Schreiner, Drechsler und zuweilen auch Pflasterer oder Kanalarbeiter. In der Küche aber standen die, welche für die in der Nähe liegenden Fabriken die Brotzeit holten; denn zu unserer Kundschaft gehörte auch eine Bleistift-, eine Möbel-, eine Sarg-, eine Bettfedern- und eine Schuhfabrik. Nun hieß es flink die Lungen- und Voressenhaferln füllen, Kreuzerwürstl abzählen, Weißwürste brühen und Hausbrot schneiden; zuweilen auch die Schenkkellnerin machen, indes der Vater im Schlachthaus noch Milzwürste oder, wie man sie bei uns nannte, umgekehrte Bauernschwänze, sowie Leber- und Blutwürste, Leberkäs und Schwartenmagen machte. Hie und da kam es auch vor, daß wir ohne Kellnerin waren; wenn nämlich die Mutter gar zu heftig und eindringlich auf Pflichterfüllung gedrungen hatte, worauf dann das Mädchen davonlief. Da mußte ich denn wieder wie früher die Gäste bedienen und auch die übrigen Arbeiten der Kellnerin verrichten.
Gewöhnlich aber blieb ich am Vormittag in der Küche, während die Mutter sich im Lokal mit den Gästen unterhielt, ihre drei bis vier Weißwürste aß und etliche Krügl Bier trank; denn der Vater war häufig vormittags am Schlacht- und Viehhof oder in der Stadt. Von Zeit zu Zeit kam dann die Mutter zu mir in die Küche und kostete die Speisen, befahl dies oder tadelte jenes und gab mir auch manche Ohrfeige, wenn ich etwas versäumt oder nicht recht gemacht hatte. So kam sie auch einmal dazu, als ich eben den Teig zu den Leberknödeln, deren wir jeden Mittwoch an die zweihundert bereiteten, fertig hatte und nun daraus die Knödel formte und auf ein langes Brett reihte.
„Halt, laß mi z’erscht schaugn, ob er recht is, der Toag!“ rief die Mutter und tippte mit dem Finger in die Teigmulde. „Was hast denn jatz da für a Zeug z’sammgmacht! Sigst net, daß der Toag no net fest gnua is, du Hackstock, du damischer!“
Und kaum hatte sie dies gesagt, flogen mir auch schon ein paar von den Leberknödeln an den Kopf, daß mir der Teig im Gesicht und an den Haaren klebte.
„So, vielleicht lernst es jatz eher, du G’stell, du saudumms!“
Darauf ging sie wieder, laut schimpfend, in die Stube und erzählte den Gästen von meiner Unbrauchbarkeit: „Hintreschlagn kannt’st es, dös himmellange Frauenzimmer! Zu nix kannst es brauchn wie zum Fressn!“