Solche Auftritte verleideten mir freilich bald die Freude am Küchenwesen und ich war froh, wenn der Vater einmal daheim blieb. Da kochte dann die Mutter selbst und ich mußte in die Schenke und zu den Gästen, sie zu unterhalten.
So ungern ich mich anfänglich wieder unter den Leuten bewegt hatte, denn im Kloster war ich ganz leutscheu geworden, so gewöhnte ich mich doch bald wieder an sie, und es währte nicht lange, da war ich das lustigste Mädel, machte jeden anständigen Scherz mit und unterhielt ganze Tische voll Gäste.
Die besseren unter ihnen hatten sich, ebenso wie die Stammgäste, zu Tischgesellschaften vereinigt; die eine hieß Eichenlaub, die andere die Arbeitsscheuen. Zur Gesellschaft Eichenlaub hatten sich die Postler und Eisenbahner zusammengetan und erkoren mich zur Vereinsjungfrau; die Arbeitsscheuen aber, deren Mitglieder lauter gute Bürger und Geschäftsleute waren, wollten nicht hinter ihnen zurückbleiben, und so ernannten sie mich zu ihrer Ehrendame, und ich empfing das Ehrenzeichen des Vereins. Es war dies ein wappenartig geschnitztes Holztäfelchen, darauf ein Bursch gemalt war mit dem Verslein darunter: „Auweh, mei Fuaß, wenn i arbatn muaß!“ Bei der Überreichung desselben hielt der Vorstand, ein Flecklschuhfabrikant, eine Rede, worin er viel von der Ehre sprach und von einer schönen Vertreterin des zarten Geschlechts und daß man sich glücklich schätze.
Während dieser Rede hatten die Arbeitsscheuen einen Kreis um mich gebildet, und nun wurde ich von etlichen samt meinem Stuhl, auf dem ich saß, emporgehoben und unter lautem Hoch und Juhu und dem Klang der Zither und Gitarre durchs Zimmer getragen. Danach begann ein großes Saufen, und die fidelen Zecher vergaßen darüber ihre Hausfrauen samt dem Mittagessen, bis einer nach dem andern von der gestrengen Ehehälfte geholt wurde. Da war mit einemmal die ganze Lustbarkeit und aller Scherz vorbei und geknickt und ängstlich schlich ein jeder heim, gefolgt von der erzürnten Gattin, die hinterdrein keifte: „Lump miserabliger, ko’st net hoamgeh, wenn’s Zeit is! Dö ganzn Griasnockerl san z’sammgsessn! Guate Lust hab i, i schmeiß dir s’ alle an Kopf, du bsuffas Wagscheitl!“
Doch am nächsten Tag war wieder alles vergessen und gemütlich saß die Gesellschaft am Stammtisch und unterhielt sich aufs beste, bis von der nahen Kirche das Mittagläuten ertönte. Da gedachte ein jeder seines Eheweibs und ging heim.
Auch ich mußte wieder in die Küche und Teller und Schüsseln für die Gäste zurichten. Dann kam die Kellnerin und fragte: „Was gibt’s heut z’essn für d’Leut?“ worauf die Mutter mit ihrer metallenen Stimme erwiderte: „An Nierenbra’n, Brustbra’n, Schlegl in da Rahmsoß, an Schweinsbra’n und a unterwachsens Ochsenfleisch mit Koirabi (Kohlrabi), an Kartoffisalat, an grean und rote Ruabn; heut trifft d’Andivisuppn!“ Als die Kellnerin sich schon zum Gehen anschickte, rief die Mutter noch rasch: „A Biflamott (boeuf a la mode) mit Knödl ham mar aa!“
Um dreiviertel zwölf Uhr kamen die Gäste, und nun begann ein Bestellen vom Zimmer aus, ein Schreien, Geschirrklappern und ein Geklopfe mit dem Fleischschlegel, daß einem die Ohren surrten.
„Frau Zirngibi, zwoa Schweinsbratn san no aus!“ schallte es aus der Gaststube und im Nu echoten drei Stimmen in der Küche: „Zwoa Schweinsbra’n kriagt s’ no!“
„Dö werds dawartn könna! Darenna wer’ i mi net z’braucha!“
„Kathi, Koirabi san gar!“ rief das Küchenmädchen jetzt in die Stube.