So war auch einmal eine Christbaumfeier der „Arbeitsscheuen“ in unserm Lokal. Die Gäste saßen vergnügt beieinander, lauschten aufmerksam den Vorträgen, kauften Lose und waren alle eins, bis der Gipfel des Baumes zur Versteigerung kam. An diesem Gipfel hing ein Hering, eine Kindertrompete, ein Bündelchen Zigarren, eine Glaskugel, ein Lebkuchenherz, ein Wachsengel und ein einzelner roter Plüschpantoffel. Den andern hatte schon ein Bäckermeister gewonnen, da er an dem Zweige hing, dessen Nummer sein Los trug.

Alles steigerte mit leidenschaftlichem Eifer, und es währte nicht lange, da waren schon dreißig Mark für den Gipfel geboten. Nun ging’s etwas langsamer; doch steigerte noch alles lebhaft mit, bis ein Metzgermeister rasch vierzig Mark bot und ihn ohne Einspruch zugeschlagen erhielt. Er zahlte und schenkte dann den Gipfel der Gesellschaft zur nochmaligen Versteigerung. Diesmal fiel er für einundzwanzig Mark einem Weinhändler zu. Auch der schenkte ihn wieder her, und nun kam der Hering samt Kindertrompete und Plüschpantoffel für die Summe von dreizehn Mark in die Hände meines Vaters, der gleichfalls zugunsten der Tischgesellschaft alles noch einmal versteigern ließ.

Jetzt fiel dem Bäckermeister plötzlich ein, daß zu dem einen Plüschpantoffel auch ein zweiter gehöre, und er steigerte nun eifrig mit. Aber da war ein junger Ehemann, ein Bräubursch, dem seine Gattin vor einer Woche den ersten Buben geschenkt hatte; der wollte die Trompete für seinen Stammhalter haben. Und nun begann ein hitziges Bieten: „Drei Mark fuchzg!“ schrie der Bäcker.

„Vier Mark!“ der andere.

„Sechs Mark!“ scholl es wieder herüben, aber schon schrie der Ehemann: „Acht Mark! I werd dirs zoagn, du arme Bäckerseel!“

„Was hast g’sagt, du windiger Bräuknecht! Acht Mark fuchzg!“

„Neun Mark!“ erscholl da plötzlich aus dem Hintergrund die Stimme des Kobelbauer Hias, eines Obermälzers, und rasch schrie der junge Ehemann: „Zehn Markl!“

Der Bäckermeister wischte sich den Schweiß von der Stirn, und seine Stimme klang heiser, als er schrie: „Zehn Mark fuchzg! Jatz ko mi der Hanswurscht scho bald ...“

Aber er kam nicht zum Ausreden; denn: „Elf Mark fuchzg!“ tönte es schon wieder aus dem Hintergrund und gleich darauf: „Zwölf Mark!“ von dem Liebhaber der Trompete.

Nun vergaß der Bäcker vor Wut weiterzubieten, und sprang auf, stürzte auf den Bräuburschen zu und packte ihn an der Gurgel: „Willst stad sei, du Bräuhengst, du verflixter! Jatz biat i und kriagn muaß i ’hn aa, den Gipfl, sunst is g’feit, dös mirkst dir!“